1. FC Lokomotive Leipzig

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Dieser Artikel behandelt den 1. FC Lokomotive Leipzig. Für den ehemaligen Leipziger Sportclub siehe SC Lokomotive Leipzig.
1. FC Lokomotive Leipzig
Vereinslogo
Voller Name 1. FC Lokomotive Leipzig e. V.
Gegründet 20. Januar 1966 / 10. Dezember 2003
Vereinsfarben Blau-Gelb
Stadion Bruno-Plache-Stadion
Red Bull Arena
Plätze 15.600 (z.Z. auf 7.000 begrenzt)
44.345
Präsident Steffen Kubald
Trainer Achim Steffens
Homepage http://www.lok-leipzig.com/
Liga Oberliga Nordost (Staffel Süd)
2009/10 12. Platz
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Heim
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Auswärts


Der 1. FC Lokomotive Leipzig (kurz Lok Leipzig) ist ein Fußballverein aus dem Leipziger Stadtteil Probstheida. In den 1970er und 1980er Jahren war er einer der erfolgreichsten Vereine in der DDR-Oberliga und mit insgesamt 77 Europapokal-Spielen einer der bekanntesten DDR-Fußballclubs in Europa. Nur Dynamo Dresden und der FC Carl Zeiss Jena bestritten mehr internationale Spiele. 1987 stand er im Finale des Cup der Pokalsieger. Er ist zweimal inoffizieller Nachfolger des ersten deutschen Fußballmeisters VfB Leipzig. Nach seiner Neugründung 2003 spielt der Verein seit der Saison 2008/2009 in der fünftklassigen Oberliga Nordost. Das höchstklassige Team des Vereins ist hingegen die 1. Damenmannschaft, welche in der 2. Bundesliga spielt. Ihre Heimspiele trägt die Loksche im Bruno-Plache-Stadion in Leipzig-Probstheida aus, muss aber gelegentlich in die Red Bull Arena ausweichen.

Vereinsgeschichte

Gründung und Vorgänger des 1. FC Lok

Zur Geschichte des Vorgängervereins des 1. FC Lokomotive Leipzig, des VfB Leipzig, siehe VfB Leipzig

Nachdem 1945 der Großverein des dreifachen deutschen Fußballmeisters VfB Leipzig wie alle bürgerlichen Vereine durch die sowjetische Besatzungsmacht aufgelöst und enteignet wurde, gründeten unter anderem ehemalige VfB-Spieler auf ihrem alten Sportgelände die „SG Probstheida“ (siehe dazu auch Fußball in der DDR und ATV Leipzig 1845), wenig später hieß der Verein „BSG Erich Zeigner“ und „BSG Einheit Ost“. Unter letzterem Namen gelang den Probstheidaern 1953 der Aufstieg in die DDR-Oberliga.

Um eine gezielte Entwicklung des Hochleistungssports zu ermöglichen erfolgte im Jahr 1954 auf Beschluss des DTSB die Gründung von Bezirkssportclubs (SC), deren Sektionen als Leistungsstützpunkt verschiedener Sportarten fungieren sollten. Im Bezirk Leipzig wurden in diesem Zuge die Vereine BSG Chemie und BSG Einheit Ost aufgelöst und deren Spieler in die Fußballsektionen der Sportclubs Rotation und Lokomotive (SC Rotation Leipzig bzw. SC Lokomotive Leipzig) eingegliedert. Beide Klub-Mannschaften spielten in der DDR-Oberliga und erreichten in der Folgezeit mehrere Erfolge. Die in Probstheida ansässigen Rotation-Fußballer (schwarze Hose, rotes Hemd) belegten in der DDR-Oberliga zweimal den dritten Platz (1955, 1957), die in Leipzig-Gohlis beheimatete Mannschaft des SC Lokomotive (schwarze Hose, weißes Hemd) feierte ihre größten Erfolge im FDGB-Pokalwettbewerb (1957 Sieg, 1958 Finalteilnahme). Darüber hinaus bedeuten mehr als 100.000 Besucher, die am 9. September 1956 dem Ortsderby zwischen Rotation und Lok (1:2) beiwohnten, bis heute einen deutschen Zuschauerrekord für nationale Fußballspiele. International spielte ab 1955 eine aus beiden Mannschaften formierte Leipziger Stadtauswahl im europäischen Messe-Cup.

1963 wurden der SC Rotation und der SC Lokomotive zum SC Leipzig vereinigt, um eine Konzentrierung des Leipziger Hochleistungssports herbeizuführen. Die vermeintlich leistungsstärksten Fußballer wurden in die Sektion des SC Leipzig übernommen (z. B. Henning Frenzel, Peter Gießner vom SC Lok und Manfred Geisler, Wolfram Löwe vom SC Rotation), die restlichen Akteure verloren dagegen ihren SC-Förderstatus und bildeten als BSG Chemie Leipzig ein weiteres Leipziger Team. Fortan standen beide Mannschaften in einer ausgeprägten Rivalität zueinander, welche heutzutage in der gegenseitigen Abneigung der beiden Nachfolgevereine 1. FC Lok Leipzig und Sachsen Leipzig ihre Fortsetzung findet.

Zumindest im Fußball ging der Plan der DDR Funktionäre zur Leistungskonzentration nur bedingt auf. Gleich im ersten Jahr seines Bestehens gewann „Außenseiter“ Chemie Leipzig die Meisterschaft in der Saison 1963/64, der SC Leipzig belegte hingegen „nur“ den dritten Platz. Im gleichen Jahr erreichten die Klub-Fußballer zumindest das FDGB-Pokalfinale, welches jedoch gegen den SC Magdeburg mit 2:3 verloren ging.

Ein erneuter Funktionärsbeschluss sah ab Ende des Jahres 1965 die Bildung von eigenständigen Fußballclubs (FC) auf Basis der Sportclub-Sektionen vor, um bessere Rahmenbedingungen zur Förderung des DDR-Fußballs zu schaffen. In der Pleißestadt wurde daraufhin die Fußballsektion des SC Leipzig ausgegliedert und am 20. Januar 1966 in den 1. FC Lokomotive Leipzig umgewandelt.

1. FC Lok in der DDR

Die 1960er Jahre

Datei:Lok-Logo-altern.png
Alternatives Logo, zu DDR-Zeiten häufig verwendet und aktuelles Brustlogo

Die Gründungsversammlung fand im Leipziger Hauptbahnhof statt. Was nicht von ungefähr kam, da der Trägerbetrieb des neuen Vereins die Deutsche Reichsbahn war. Diese unterstützte den Verein finanziell und die Spieler waren formell Angestellte des Betriebs. Das neue Leistungszentrum des Fußballs in Leipzig entstand ebenfalls in Leipzig-Probstheida, wo der 1. FC Lokomotive sein Zuhause hatte. Aus diesem Grund spielten viele junge und talentierte Spieler bereits früh beim Verein, der über Jahre hinweg immer wieder spätere Nationalspieler der DDR (mehr als 20) und Stars des DDR-Fußballs hervorbrachte. Die Loksche, wie der Verein von seinen Anhängern auch heute noch genannt wird, war bekannt für starkes Konterspiel und galt wegen ihrer Unberechenbarkeit als Sphinx der DDR-Oberliga (starken Europapokalspielen am Mittwoch folgten oft schwache Oberliga-Partien am Samstag) sowie als absolute Pokalmannschaft. Möglicherweise liegt in dem vom Konterfußball geprägten Spiel der geringe Erfolg in der Meisterschaft begründet.

Gleich in der ersten Spielzeit nach der Namensänderung (1965/66) belegte man am Ende Platz 3. Im Folgejahr wurde man Zweiter mit 7 Punkten Rückstand auf den FC Karl-Marx-Stadt, während Henning Frenzel mit 22 Toren Torschützenkönig der DDR-Oberliga wurde. Zwei Jahre später war man im „Tal der Tränen“ angelangt und musste als Tabllenletzter den Gang in die DDR-Liga antreten – der einzige Abstieg in der Vereinsgeschichte. Am letzten Spieltag der Folgesaison kam es im Bruno-Plache-Stadion zum Showdown um den Aufstieg gegen Wismut Gera. 30.000 Zuschauer sahen das Spiel, was eine Rekordkulisse bedeutete, und sahen einen schwer erkämpften 1:0-Sieg der Loksche, welcher den direkten Wiederaufstieg bescherte. Nach dem Aufstieg landete der 1. FC Lok auf dem 10. Platz. Erstmals machte der Verein international auf sich aufmerksam, als er 1966 im Messepokal Benfica Lissabon um Eusebio in der 3. Runde ausschalten konnte.

Die 1970er Jahre

Die 1970er Jahre markierten die Zeit, in welcher sich der Verein als Pokalmannschaft einen Namen machte, national wie international. 1970 stand der Verein im ersten von insgesamt 4 Pokalfinalen in den 1970er Jahren, welches man jedoch relativ klar mit 4:2 gegen den FC Vorwärts Berlin verlor (→ Spieldaten des Endspiels um den FDGB-Pokal 1970).[1] Nach einem weiteren verlorenen Pokalfinale gegen den 1. FC Magdeburg (→ Spieldaten des Endspiels um den FDGB-Pokal 1973)[2], der im Folgejahr den Pokal der Pokalsieger gewann, war es dann 1976 endlich soweit. Über die BSG Aktivist Schwarze Pumpe den FC Rot-Weiß Erfurt, FC Carl Zeiss Jena und Dynamo Dresden erreichte man das Pokalfinale gegen den FC Vorwärts Frankfurt/Oder. Durch Tore von Frenzel und Roth gewann man klar mit 3:0 und holte den ersten Pokal und großen Titel nach Probstheida (→ Spieldaten des Endspiels um den FDGB-Pokal 1976).[3]

1977 erreichte Leipzig noch einmal das Finale des FDGB-Pokals, verlor allerdings mit 2:3 gegen Dynamo Dresden (→ Spieldaten des Endspiels um den FDGB-Pokal 1977). Insgesamt erreichte der Verein vier Mal das Pokalfinale und einmal das Halbfinale.

International begann die Loksche von sich reden zu machen, als der Verein 1974 bis ins Halbfinale des UEFA-Pokals vordringen konnte. Dabei bezwang er Mannschaften wie den AC Turin, Wolverhampton Wanderers, Fortuna Düsseldorf und Ipswich Town, ehe er am späteren Pokalsieger Tottenham Hotspurs scheiterte.[4] Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Vereine aus der DDR recht wenig Erfolg gegen englische Mannschaften. Doch die Loksche änderte dies und alleine diese Aufeinandertreffen auf gleich drei englische Vereine und das Ausschalten zweier brachte dem 1. FC Lok eine große Reputation in England ein. So titelte der Daily Telegraph: „Lok Leipzig ist zum Alptraum für den englischen Fußball geworden“ und es bewahrheitete sich, was „La Stampa[5] nach Ausscheiden des AC Turin schrieb „Von dieser Lok wird man noch einiges hören“. Noch heute ist der Verein in England sehr bekannt. 80.000 Zuschauer kamen ins Zentralstadion, um die Partie gegen Fortuna Düsseldorf zu sehen, und auch bis hierhin hat noch nie ein Verein aus der DDR gegen eine Mannschaft aus der Bundesrepublik Deutschland gewinnen können. Das Erreichen des Halbfinals kann gleichzeitig als der zweitgrößte Erfolg des Vereins gewertet werden.

In der nationalen Meisterschaft dagegen belegte er häufig nur einen Mittelfeldplatz und die besten Ergebnisse waren jeweils ein 4. Platz 1972/73, 1975/76, und 1977/78.

Die 1980er Jahre

Mannschaftsfoto 1. FC Lok Leipzig 1983.

Die 1980er Jahre standen ganz im Zeichen des BFC Dynamo, welcher ab 1979 die DDR-Oberliga teilweise dominierte. Neben der SG Dynamo Dresden etablierte sich dabei der 1. FC Lok Leipzig als Herausforderer Nummer eins auf den DDR-Meistertitel. Allein zwischen 1982 und 1988 standen die Messestädter sechsmal auf dem Podium, mussten aber stets dem Seriensieger aus der Hauptstadt den Vortritt lassen.

Am Ende der Saison 1985/86 stand für die Mannschaft des 1. FC Lok der erste Vizemeistertitel zu Buche. Dieser Erfolg wurde jedoch von den Vorkommnissen überschattet, welche sich beim Heimspiel gegen den alten und neuen DDR-Meister aus Berlin am 22. März 1986 ereignet hatten. In diesem führten die Lok-Fußballer lange Zeit mit 1:0, bis Schiedsrichter Bernd Stumpf in der fünften Minute der Nachspielzeit den Berlinern einen Elfmeter zusprach. Ein angebliches Foul des Leipzigers Hans Richter an seinem Gegenspieler Bernd Schulz als Ursache für diese Entscheidung war für Außenstehende auch mithilfe von Fernsehbildern nicht eindeutig zu erkennen. Im Nachhinein sorgte diese Schiedsrichterentscheidung, welche die Berliner letztlich vor einer Niederlage bewahrte, für ein Politikum. Ähnliche Vorfälle in der Vergangenheit hatten bereits bei vielen Beobachtern die Vermutung nahelegt, dass die jahrelange Dominanz des Serienmeisters nicht allein auf dessen sportliche Leistung zurückzuführen war. Obwohl dieser Punktverlust nicht ausschlaggebend für den Ausgang der Meisterschaft war – zum Saisonabschluss einige Wochen später rangierte der 1. FC Lok Leipzig mit zwei Punkten Rückstand und schlechterem Torverhältnis hinter dem Hauptstadtklub –, löste dieser „Schand-Elfmeter von Leipzig“ eine bis dato einmalige Protestwelle gegen die schon seit Jahren andauernde angebliche Bevorteilung des BFC Dynamo aus. Als Folge dieses Disputs, der sich neben einer hohen Medienpräsenz auch bis in die höchsten Ebenen der Politik fortsetzte, wurde „Verursacher“ Bernd Stumpf trotz nicht bewiesener Schuld[6] als Schiedsrichter lebenslang gesperrt.

1988 scheiterte die LOK erneut nur knapp an der Meisterschaft. Im Gegensatz von vor zwei Jahren mussten sich die Sachsen dem BFC Dynamo diesmal nur aufgrund des schlechteren Torverhältnisses geschlagen geben. Dies sollte gleichzeitig die letzte Medaille für die Lok-Fußballer sein, die sich in der Folgezeit nur noch im Mittelfeld platzieren konnten. Dennoch waren die 1980er Jahre das erfolgreichste Jahrzehnt für den 1. FC Lokomotive Leipzig. Dies spiegelte sich auch im FDGB-Pokal wider, wo die Probstheidaer bei drei Finalteilnahmen dreimal als Sieger hervorgingen (1981, 1986, 1987). Daneben konnten die Messestädter zwei weitere Male bis ins Pokalhalbfinale vordringen (1980, 1988).

Datei:Eintrittskarte Lok Leipzig.jpg
Eintrittskarte zum Spiel des 1. FC Lok Leipzig gegen den SSC Neapel 1988

Auch international sorgte der Fußballclub vereinzelt für Aufsehen. Scheiterten die Leipziger 1982 erst im Viertelfinale des Pokalsieger-Wettbewerb am späteren Gewinner FC Barcelona, so ereilte Lok Leipzig im darauffolgenden Jahr im UEFA-Pokal das Erstrunden-Aus gegen Viking Stavanger (Norwegen). Auch in der EC-Saison 1983/84 schien das Ausscheiden in der ersten Runde des UEFA-Pokals beschlossene Sache, als Leipzig auf Girondins Bordeaux traf. Gegen die französische Mannschaft – in dessen Aufgebot Spieler wie Jean Tigana, Patrick Battiston und Alain Giresse standen – setzte sich jedoch der DDR-Vertreter überraschend deutlich mit zwei Siegen durch (3:2 in Bordeaux, 4:0 in Leipzig). Nach einem weiteren Sieg über Werder Bremen musste sich schließlich der 1. FC Lok in der dritten Runde Sturm Graz geschlagen geben.

Nachdem der 1. FC Lok Leipzig in den UEFA-Cup-Wettbewerben 1984/85 und 1985/86 jeweils in der zweiten Runde gegen die Mannschaften von Spartak Moskau bzw. AC Mailand ausgeschieden war, schlug schließlich im Europapokal der Pokalsieger 1986/87 die große Stunde der Blau-Gelben. Nach Siegen über Glentoran Belfast, den SK Rapid Wien und FC Sion traf die Lok-Mannschaft in der Runde der letzten Vier auf Girondins Bordeaux. Wie bereits vier Jahre zuvor gelang den Leipzigern erneut ein Sieg im Hinspiel in Bordeaux, wobei Uwe Bredow für das einzige Tor des Spiels sorgte. Beim Rückspiel im ausverkauften Leipziger Zentralstadion vor offiziell 73.000 Zuschauern – nach inoffiziellen Angaben waren bis zu 120.000 Zuschauer anwesend – konnte Girondins Bordeaux durch einen frühen Treffer das Hinspielergebnis egalisieren. Nachdem weitere Treffer ausblieben, musste das Spiel nach einer ebenfalls torlosen Verlängerung im Elfmeterschießen entschieden werden. Dabei avancierte der Leipziger Schlussmann René Müller zur Ikone der Lok-Anhänger, als er nach einem parierten Elfmeter Nervenstärke bewies und den entscheidenden Treffer zum Endstand von 6:5 für Leipzig setzte.[7] Nach dem 1. FC Magdeburg 1974 und dem FC Carl Zeiss Jena 1981 war der 1. FC Lokomotive damit erst die dritte DDR-Mannschaft, welche bis dahin ein Finale im Europapokal erreichte. Dieses fand in Athen statt, wobei die Männer um Hans-Ulrich Thomale auf Ajax Amsterdam trafen. Gegen die Niederländer die von Johan Cruyff trainiert wurden, waren die Leipziger klar in der Rolle des Außenseiters. Am Ende musste sich die Loksche erwartungsgemäß gegen das Team um Jan Wouters, Aron Winter, Frank Rijkaard, Dennis Bergkamp und Marco van Basten geschlagen geben, welches in der 21. Minute durch ein Kopfball von van Basten zum Erfolg kam.(→ Pokal der Pokalsiegerfinale 1987). Trotz der Niederlage ernteten die Leipziger viel Anerkennung für ihren beherzten Auftritt. Cruyff meinte nach dem Spiel: „Ich hätte nicht geglaubt, dass uns Lok Leipzig nach der Pause so unter Druck setzen würde. Wir sind über diesen knappen Sieg sehr glücklich.“[8]

Ein Jahr später startete Lok Leipzig erneut im Europapokal der Pokalsieger, musste jedoch bereits in der ersten Runde gegen Olympique Marseille die Segel streichen. Im UEFA-Pokal 1988/89 erreichten die Leipziger zumindest die zweite Runde, unterlagen aber dort dem späteren Cup-Gewinner SSC Neapel, welcher mit Diego Maradona den zu diesem Zeitpunkt wohl weltweit populärsten Fußballer in seinen Reihen hatte.

Gegen Ende der achtziger Jahre spielten die Fußballer des 1. FC Lokomotive Leipzig im DDR-Fußball nur noch eine untergeordnete Rolle und belegten jeweils am Saisonende einen Platz im Oberliga-Mittelfeld. Nach den gesellschaftlichen Umwälzungen in der DDR und der anschließenden Deutschen Wiedervereinigung wurden schließlich die DDR-Vereine in den gesamtdeutschen Sport integriert. Dabei qualifizierte sich der 1. FC Lokomotive in der letzten Oberliga-Spielzeit 1990/91 mit Platz sieben für die 2. Bundesliga. Ihr Profifußball-Debüt im Sommer 1991 absolvierte die Mannschaft aus Probstheida bereits nicht mehr als Lok Leipzig, da sich der Verein am 1. Juni 1991 dazu entschlossen hatte, den traditionsreichen Namen VfB Leipzig anzunehmen.

Zur weiterführenden Geschichte des Fußballvereins bis 2003 siehe VfB Leipzig

1. FC Lokomotive Leipzig ab 2003

Nachdem der VfB Leipzig endgültig in die Insolvenz ging, riefen am 10. Dezember 2003 VfB-Leipzig-Fans den 1. FC Lokomotive Leipzig erneut ins Leben. Zum Vereinsvorsitzenden wählten die elf Gründungsmitglieder den ehemaligen VfB-Fanbeauftragten Steffen Kubald.

Nach der Liquidation des VfB Leipzig im Juli 2004 löste sich dessen erste Männermannschaft auf. Durch den neuen 1. FC Lok wurden die erfolgreichen Nachwuchsteams und die Fußballerinnen (2. Frauen-Bundesliga) übernommen. Teile des Nachwuchses wurden vom FC Sachsen Leipzig gekauft, der mit Hilfe der Stadt Leipzig ein Leipziger Nachwuchszentrum gründete. Es gab Bestrebungen der Stadt Leipzig, die Kompetenzen des Leipziger Fußballs zu bündeln und so das Interesse potenzieller Investoren zu erhöhen. Allerdings scheiterte dieser Versuch (Schlagwort „VfB Sachsen Leipzig“ bzw. „1. FC Union Leipzig“) schnell an den starken, historisch bedingten Rivalitäten beider Vereinsführungen und Fanlager.

Rainer Lisiewicz, 2004–2009 Trainer des 1. FC Lok

Die erste Männermannschaft nahm ihren Spielbetrieb in der niedrigsten Liga, der 3. Kreisklasse (11. Liga) auf. Die anderen Mannschaften (Frauen und Nachwuchs) konnten in ihren Spielklassen verbleiben. Trainer Rainer Lisiewicz (Oberligaspieler bei Lok von 1968 bis 1978) musste vor Saisonbeginn 2004/05 eine neue Männermannschaft zusammenstellen. Bei Sichtungstrainings bewarben sich über 100 VfB-Fans, von denen er 25 Spieler für die 11. Liga auswählte. Der neue Verein wurde bereits nach kurzer Zeit zum Kultverein unter den ehemaligen VfB-Fans. Wegen des für die niedrigste Spielklasse großen Zuschaueransturms berichteten die Medien deutschlandweit, was im Ergebnis noch mehr Besucher ins Bruno-Plache-Stadion lockte. Mittelfristig wollte der Verein wieder dort spielen, wo der Vorgänger VfB zuletzt auflief: in der NOFV-Oberliga. Um die Zeit auf Kreisebene (11. bis 8. Liga) abzukürzen, bemühte sich der Verein noch 2004 um eine Fusion mit Vereinen aus der 5. Liga (Landesliga Sachsen, Hausdorfer SV) bzw. 6. Liga (Bezirksliga Leipzig, SV Tresenwald). Erst der dritte Fusionsversuch brachte den Zusammenschluss mit dem SSV 52 Torgau. Zwei Torgauer Mannschaften hatten zuvor eine Fusion beschlossen, wodurch ein Startplatz in der 7. Liga (Bezirksklasse Leipzig) frei wurde. Die Fusion empfanden beide Seiten als fair, der 1. FC Lok behielt Name und Spielstätte, im Gegenzug unterstützt er den neuen Torgauer Verein finanziell.

In seiner ersten Saison 2004/05 wurde Lok Leipzig verlustpunktfrei Meister der 3. Kreisklasse (11. Liga), nach 26 Spielen betrug das Torverhältnis 316:13. Lok gewann ebenso den Leipziger Stadtpokal, dabei besiegte er im Endspiel die drei Ligen höher spielende 3. Mannschaft des SSV Markranstädt mit 2:0. Am 9. Oktober 2004 stellte der Verein einen Rekord für das Guinness-Buch der Rekorde auf, als 12.421 Zuschauer zum Punktspiel gegen Eintracht Großdeuben II ins Zentralstadion kamen. Es bedeute Zuschauerweltrekord bei einem Punktspiel in der niedrigsten nationalen Spielklasse. Zudem gab Lothar Matthäus sein Comeback bei Lok für ein Spiel beim Stadtpokal-Halbfinale. Doch Matthäus blieb nicht der Einzige, welcher sein Comeback im Lok-Dress gab. So liefen auch Henning Frenzel im Alter von 62 Jahren und Heiko Scholz noch einmal für die Loksche in der 11. Liga auf.[9]

Mannschaft von 2005/06
Mannschaft von 2006/07

In der Bezirksklasse Leipzig Staffel 2 (7. Liga) 2005/06 errang der Verein den ersten Tabellenplatz und stieg damit in die Bezirksliga auf und schaffte nach zwei Jahren die Qualifikation für den sächsischen Landespokalwettbewerb 2006/07 durch einen 3:1-Sieg gegen Bornaer SV (6. Liga). Ein weiterer Höhepunkt der Saison war das Freundschaftsspiel gegen den englischen Klub FC United of Manchester vor offiziell 7.426 Zuschauern und gleichzeitig das erste internationale Spiel des 1. FC Lok in der Neuzeit. Ein Rückspiel in England war abgemacht, kam aber bisher nie zustande. Nach einem spannenden Dreikampf 2006/07 wurde die Loksche erneut Erster und schaffte so den direkten Aufstieg in die Landesliga Sachsen. In der Saison waren die Spiele ein Höhepunkte im Sächsischen Landespokal, wo Lok nach drei Runden als einziger Sechstligist das Viertelfinale erreichte, dort jedoch gegen den späteren Finalisten, der 2. Mannschaft von Erzgebirge Aue, ausschied (0:3). Der Zuschauerdurchschnitt bei Punktspielen betrug im Schnitt knapp 2.800, die Spitzenspiele in Meisterschaft oder Pokalwettbewerb sahen oft mehr als 5.000 Besucher.

Vor der Saison 2007/08 in der Landesliga Sachsen gab es erhebliche Zweifel am erneuten Durchmarsch und einem weiteren Aufstieg, da die Mannschaft gegenüber dem Vorjahr nur wenig verändert wurde. Am Saisonende stand man jedoch auf dem zweiten Platz – dieser berechtigte zur Relegation um den Aufstieg in die Oberliga (ab 2008/09 5. Liga). Diese gelang gegen den Zweiten der Landesliga Mecklenburg-Vorpommern FC Schönberg 95 nach einem 2:1-Auswärtssieg und einer 0:1-Heimniederlage am 22. Juni 2008. Damit schaffte der Verein nach vier Aufstiegen in Folge und einer Fusion den Sprung aus der niedrigsten Liga in die Oberliga – dort spielte bis zu seiner insolvenzbedingten Auflösung der inoffizielle Vorgängerverein VfB Leipzig. Im Schnitt besuchten 4.088 Zuschauer die Meisterschaftsspiele.

Auch vor der Saison 2008/09 wurde die Mannschaft nicht weiter verstärkt. Wichtigster Neuzugang war sicher Torsten Jülich, der vom 1. FC Saarbrücken zurück nach Probstheida kam und der Abwehr mehr Stabilität verleihen sollte. Zur allgemeinen Überraschung spielt die Mannschaft nicht wie vor der Meisterschaft befürchtet gegen den Abstieg, sondern hat sich bis zur Winterpause im Spitzenfeld der Oberliga festgesetzt. Kurz vor Ende der Saison, im April 2009, wurde bekannt, dass sich der Verein von seinem langjährigen Trainer Rainer Lisiewicz zu Ende der Saison trennen würde.[10] Am 12. Mai 2009 wurde der Trainer dann jedoch bereits vorzeitig beurlaubt.[11] Lisiewicz führte den Verein zu vier Aufstiegen in Folge. Sein Nachfolger wurde Jörg Seydler, welcher zuvor in den Jugendabteilungen des Vereins tätig war.[12] Am 29. November 2009 ist Jörg Seydler von seinem Amt zurückgetreten. Für das letzte Hinrunden-Spiel der Saison 2009/2010 hat der bisherige Co-Trainer Uwe Trommer in Interimsfunktion und mit Unterstützung von Team-Manager Peter Milkau die Oberliga-Mannschaft übernommen.[13]

Erfolge

Erfolge bis 1991

Die Meistertitel (1903, 1906, 1913) und andere Erfolge des VfB Leipzig sind bei diesem aufgeführt.

Spieler und Trainer Saison 2010/2011

Torwart

  • Jan Evers (1)
  • Alexander Czempik (20)
  • Christoph Milkau (20)

Verteidiger

  • Thorsten Görke (17)
  • Markus Saalbach (23)
  • Jens Werner (8)
  • Marcus Brodkorb (25)
  • Markus Krug (3)

Mittelfeld

  • Benedikt Seipel (2)
  • Alexander Kunert (7)
  • Stefan Knoof (13)
  • Kevin Adam (11)
  • Raik Hildebrandt (16)
  • Sebastian Seifert (15)
  • Reimund Linkert (4)
  • Paul Stöbe (12)
  • Albrecht Brumme (14)
  • Sebastian Kieback (22)
  • Ronny Mende (24)

Stürmer

  • René Heusel (10)
  • Christoph Schulz (6)
  • Julian Adam (19)
  • Christoph Jackisch (18)
  • Benjamin Fraunholz (9)

Trainerchronik

Bekannte Spieler

Stadien

Seine Heimspiele trägt der 1. FC Lokomotive in der Regel im Bruno-Plache-Stadion aus. Stehen jedoch Spiele an, welche einer höheren Sicherheitstufe bedürfen oder mehr als 5.000 Zuschauer zu einem Heimspiel erwartet werden, finden diese im Zentralstadion statt.

Das Bruno-Plache-Stadion

Seit den 1920er Jahren wird im Bruno-Plache-Stadion schon Fußball gespielt. Und immer war es die Heimat des VfB Leipzig und des 1. FC Lok. Einzige Ausnahme waren die Jahre 1992–1995, aufgrund der Sicherheitsbestimmungen der 2. Bundesliga. Es befindet sich im Leipziger Stadtteil Probstheida, südlich des Völkerschlachtdenkmals. Offiziell fasst das Stadion heute 15.600 Zuschauer. Aufgrund verschiedener Sicherheitsbestimmungen ist es allerdings nur für 4.999 Zuschauer zugelassen. Bei der Eröffnung kamen 50.000 Zuschauer zum Spiel des VfB Leipzig gegen den Hamburger SV. Die 1932 errichtete und heute noch in Betrieb befindliche Holztribüne ist weitestgehend im Originalzustand erhalten. Sie ist damit ein bedeutendes architektonisches Beispiel für eine große Holztribüne in deutschen Fußballstadien jener Zeit.

Es gibt auch eine Initiative zum Erhalt des Bruno-Plache-Stadions, welche von Fans des 1. FC Lok getragen wird. Dabei geht es hauptsächlich um Arbeitseinsätze und eigenständige Instandhaltungen und Sanierungsarbeiten, welche freiwillig und uneigennützig durchgeführt werden. Die Vision der Initiative ist dabei, das Plache vollständig zu sanieren und in ein modernes Stadion für etwa 20.500 Zuschauer umzuwandeln. Die Kosten würden hierbei etwa bei 10 bis 20 Millionen Euro liegen.[14] Die Vision dürfte hierbei allerdings nur sehr schwer zu realisieren sein, bedenkt man, dass es in Leipzig noch die Red Bull Arena gibt, welches für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 komplett neu errichtet wurde und ansonsten zumeist ungenutzt bleiben würde.

Frauenfußball

Noch unter dem Namen VfB Leipzig stieg die Mannschaft 2003 in die Regionalliga Nordost auf. Als Fünfter qualifizierte sich die Mannschaft für die neu gegründete 2. Bundesliga und wurde in die Südgruppe eingeteilt. Der Sprung erwies sich als zu groß und das Team stieg als Tabellenletzter wieder ab. In der folgenden Regionalligasaison wurde mit zehn Punkten Vorsprung auf den Magdeburger FFC der Wiederaufstieg geschafft. In der Saison 2006/2007 spielte die Mannschaft in der Nordgruppe und erreichte dort einen achtbaren 6. Tabellenplatz. Die zweite Frauen-Mannschaft wurde sächsischer Landesmeister, scheiterte jedoch in der Relegation um den Regionalligaaufstieg an der zweiten Mannschaft vom FF USV Jena.

Erfolge

Bekannte Spielerinnen

Siehe auch

Literatur

  • Joachim Pfitzner, Jürgen Nöldner: 1. FC LOK LEIPZIG – Ein Fußballklub stellt sich vor. Sportverlag, Berlin 1987, ISBN 3328001794.
  • Thomas Franke, Veit Pätzug: Von Athen nach Althen. Die Fanszene von LOK Leipzig zwischen Europacup und Kreisklasse. SDV Verlags GmbH, Dresden 2006, ISBN 3981051653 (Homepage).
  • Volkmar Abel: Sozialisation in der Fangruppe. Eine qualitative Studie anhand Leipziger Fußballfans. VDM Verlag, Saarbrücken 2008, ISBN 3-8364-6726-7.
  • Dr. Hans-Werner Stadie, Steffen Reichert: Ein Jahrhundert VfB Leipzig. Leipzig 1993.
  • Christian Wolter: Schlachten Tore Emotionen – Das Bruno-Plache-Stadion in Leipzig-Probstheida. OM-Verlag Leipzig, Leipzig 2008, ISBN ISBN 978-3-9812022-0-5.

Einzelnachweise / Erläuterungen

  1. Übersicht der Saison 1969/70 auf rsssf.com
  2. Übersicht der Saison 1972/73 auf rsssf.com
  3. Übersicht der Saison 1975/76 auf rsssf.com
  4. Übersicht der Saison 1973/74 des UEFA-Pokals auf rsssf.com
  5. Dr. Hans-Werner Stadie, Steffen Reichert: Ein Jahrhundert VfB Leipzig. Axel Springer, Hamburg 1993. S. 108
  6. www.zeit.de Der Schand-Elfmeter von Leipzig: Im Jahr 2000 präsentierte Bernd Stumpf in der MDR-Sendung Sport im Osten ein Video, welches vom BFC zu Trainingszwecken aufgenommen wurde und die Richtigkeit seiner Entscheidung bestätigt
  7. Details des Spiels auf rsssf.com
  8. Dr. Hans-Werner Stadie, Steffen Reichert: Ein Jahrhundert VfB Leipzig. Axel Springer, Hamburg 1993. S. 111
  9. Bericht auf ARD.de
  10. mdr.de: Bericht auf mdr.de
  11. mdr.de: Bericht über die Beurlaubung des Trainers
  12. mdr.de: Bekanntgabe der Verpflichtung
  13. Cheftrainer Jörg Seydler zurückgetreten
  14. Webseite der Initiative

Weblinks

 <Lang> Commons: 1. FC Lokomotive Leipzig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference af:1. FC Lokomotive Leipzig

az:Lokomotiv (Leypsiq) ca:1. Fußball-Club Lokomotive Leipzig en:1. FC Lokomotive Leipzig es:Lokomotive Leipzig fi:1. FC Lokomotive Leipzig fr:Lokomotive Leipzig it:1. FC Lokomotive Leipzig lt:FC Lokomotive Leipzig nl:Lokomotive Leipzig pl:Lokomotive Lipsk pt:1. FC Lokomotive Leipzig ru:Локомотив (футбольный клуб, Лейпциг) sv:1. FC Lokomotive Leipzig zh:莱比锡火车头足球俱乐部



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