Süddeutsche Fußballmeisterschaft 1903/04

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Spieler des Karlsruher FV im Jahr 1904.

Die Süddeutsche Fußballmeisterschaft 1903/04 gewann zum vierten Mal in Folge der Karlsruher FV. In der sich anschließenden Endrunde um die Deutsche Meisterschaft 1904 schied der KFV schon im ersten Spiel aus, erwirkte aber durch seinen Protest gegen die Wertung dieses Spieles, dass in diesem Jahr kein Deutscher Fußballmeister ermittelt wurde.

Zum erstmals angewandten Punktspielbetrieb wurde das Gebiet des Verbands Süddeutscher Fußball-Vereine (VSFV) in sechs Gaue aufgeteilt, deren Meister sich für die süddeutsche Endrunde qualifizierten. Die regionalen Gegebenheiten waren jedoch höchst unterschiedlich. Während der Maingau aufgrund der großen Anzahl von Mannschaften in Staffeln aufgeteilt werden musste, beschränkte sich der Spielbetrieb beispielsweise in ganz Bayern auf eine Münchner Stadtmeisterschaft mit einer Handvoll Vereinen. Deutschlandweit gehörten dem DFB zum Abschluss der Spielzeit 1903/04 erst 194 Vereine an.

Regionaler Spielbetrieb

Die Mannschaft der Stuttgarter Kickers in der Saison 1903/04. Die Kickers waren über Jahre hinweg die Nummer Eins in Schwaben. Auf süddeutscher Ebene konnten sie sich allerdings erst 1907/08 durchsetzen.

In den sechs Gauen qualifizierten sich folgende Mannschaften als Meister für die süddeutsche Endrunde.

Gaumeister
Main Germania 94 Frankfurt
Pfalz Mannheimer FG 1896
Mittelbaden Karlsruher FV
Oberrhein Straßburger FV
Schwaben Stuttgarter Kickers
Oberbayern FC Bayern München

Über die ausgetragenen Spiele der regionalen Meisterschaftsrunden ist wenig bekannt. In Oberbayern wurde wie schon in den Jahren zuvor lediglich eine Münchner Stadtmeisterschaft ausgespielt, die der FC Bayern gewann. Auch in Schwaben beteiligten sich nur einige wenige Vereine aus der württembergischen Hauptstadt, neben dem Meister Stuttgarter Kickers sind namentlich der Süddeutsche FC und der FV Schwaben Stuttgart bekannt. Die mit Abstand größte Beteiligung gab es im Rhein-Main-Gebiet, für den Maingau meldeten insgesamt 32 Mannschaften, so dass hier eine Unterteilung in Staffeln vorgenommen werden musste. In der Staffel Westmain traten 13 Mannschaften in einer einfachen Runde gegeneinander an, Helvetia Bockenheim zog seine Mannschaft allerdings schon vor Rundenbeginn zurück. In Frankfurt wurde im Anschluss an die Verbandsrunde des VSFV eine Meisterschaft des Frankfurter Association Bunds ausgetragen, an der sich vier Mannschaften beteiligten und die der Frankfurter FC Kickers für sich entschied.

In der Staffel Westmain und Ostmain des Maingaues ergaben sich folgende Abschlusstabellen:

Maingau, Staffel Westmain
01. Germania 94 Frankfurt 11 76:05 20–02
02. Frankfurter FC Kickers 11 66:31 17–05
03. Hermannia Frankfurt 11 40:25 15–07
04. Wiesbadener FC 11 40:29 15–07
05. FSV Frankfurt 11 56:24 13–09
06. Amicitia Bockenheim 11 40:23 11–11
07. Bockenheimer FVgg 11 30:29 11–11
08. Germania Bockenheim 11 27:39 11–11
09. FFC Victoria 11 29:29 09–13
10. Frankfurter FC 1902 11 18:36 06–16
11. Alemannia Griesheim 11 09:75 03–19
12. 1. Rödelheimer FC 02 11 04:80 01–21
13. Helvetia Bockenheim zurückgezogen
Maingau, Staffel Ostmain
1. Darmstädter FC 5 28:06 10–00
2. 1. Hanauer FC 93 5 38:06 08-02
3. Viktoria 1894 Hanau 5 40:12 06–04
4. Kickers Offenbach 5 11:13 04–06
5. Teutonia 1900 Offenbach 5 04:36 02–08
6. Viktoria Aschaffenburg 5 04:52 00–10

Endrunde um die Süddeutsche Meisterschaft

Viertelfinale, 13. März 1904
Straßburger FV Karlsruher FV 1:1
Karlsruher FV Straßburger FV 4:1 Wiederholungsspiel, Datum unbekannt
Stuttgarter Kickers FC Bayern München 2:1
Germania 94 Frankfurt Mannheimer FG 1896 4:0
Halbfinale, 13. März 1904[1]
Karlsruher FV Stuttgarter Kickers 2:1 in Straßburg
Freilos: Germania 94 Frankfurt
Endspiel um die Süddeutsche Meisterschaft, 27. März 1904
Karlsruher FV Germania 94 Frankfurt 5:0

Zum ersten Endrundenspiel um die Deutsche Meisterschaft mussten die Karlsruher bei Britannia 92 Berlin antreten. Der KFV absolvierte dieses Spiel, das mit 1:6 verloren ging, nicht mit seiner besten Aufstellung, da einige Spieler keinen Urlaub für die weite Reise bekommen hatten. Da das Spiel zudem nicht wie vorgesehen an einem neutralen Ort stattfand, legte der Verein beim DFB Protest gegen dessen Wertung ein. Über diesen Einspruch wurde erst am Morgen des Endspieltermins am 22. Mai 1904 beraten, als die DFB-Funktionäre zu ihrem jährlichen Bundestag zusammenkamen. Der DFB erkannte den Protest der Karlsruher an, sagte kurzerhand das für den Nachmittag geplante Endspiel ab und setzte die Meisterschaft in diesem Jahr aus. Pikanterweise war auf derselben Tagung der Vorsitzende des KFV, Friedrich Wilhelm Nohe, zum neuen DFB-Präsidenten gewählt worden.

Literatur

  • Hardy Grüne: Vom Kronprinzen bis zur Bundesliga. 1890 bis 1963 (= Enzyklopädie des deutschen Ligafußballs. Band 1). Agon Sportverlag, Kassel 1996, ISBN 3-928562-85-1, Seite 20
  • Der deutsche Fußball (1900 – 1920) (= Libero, Spezial deutsch, Nr. D3, 1992). IFFHS, Wiesbaden 1992, Seite 85

Weblinks

Verweise

  1. Termin und Spielort lt. Prager Tagblatt vom 14. März 1904, Seite 4; Ergebnis dort 2:0. Siehe auch Diskussion.


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