Süddeutsche Fußballmeisterschaft 1912/13

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Die Süddeutsche Fußballmeisterschaft 1912/13 gewann zum zweiten Mal nach 1908 der FC Stuttgarter Kickers. Die Kickers hatten sich erst über ein Entscheidungsspiel im Südkreis für die Endrunde qualifiziert. Im Norden und Osten setzten sich mit dem Frankfurter FV und der SpVgg. Fürth die Vorjahresmeister deutlich durch, im Westen der neue Großverein VfR Mannheim. Die Endrunde um die Süddeutschen Titel wurde erst im letzten Spiel entschieden, das die Kickers gegen den FFV mit 1:0 gewannen.

In allen vier Kreisen war die Anzahl der Mannschaften der obersten Spielstufe, jetzt „Ligaklasse“ oder kurz „Liga“ genannt, auf acht vereinheitlicht worden. Der jeweils Tabellenletzte musste in die A-Klasse, die nunmehr zweithöchste Spielstufe, absteigen. Die A-Klassen waren je nach örtlichen Gegebenheiten in mehrere Staffeln aufgeteilt und spielten den Aufsteiger die Ligaklasse aus.

Nordkreis

Der Frankfurter FV entschied die Meisterschaft klar zu seinen Gunsten und blieb ungeschlagen, lediglich Viktoria 1894 Hanau und Kickers Offenbach konnten dem FFV ein Unentschieden abtrotzen. Dennoch stand dieser Erfolg lange in Frage, denn um den Einsatz des Neuzuganges Frigyes Weicz im ersten Spiel des FFV gegen Wiesbaden (4:0) entzündete sich ein Streit am „grünen Tisch“. Der Ungar war zu Saisonbeginn vom FV Amicitia und 1902 gekommen, der aufgrund der Zuschauerausschreitungen in der Vorsaison in diesem Jahr vom Spielbetrieb ausgeschlossen war. Zum Zeitpunkt des Auftaktspieles lag sein Spielerpass dem FFV allerdings noch nicht vor. Daraufhin wurde der Verein im November von der Südmaingaubehörde für vier Monate gesperrt, was aber nach Einspruch von der Nordkreisbehörde, der der FFV-Vorsitzende Hetebrügge vorstand, kurz darauf wieder aufgehoben wurde. Daraufhin richteten mehrere Vereine eine Resolution an den VFSV, die die Aufrechterhaltung der Sperre forderte. Der Verband bestätigte jedoch schließlich die Nordkreismeisterschaft des Frankfurter FV, wobei das fragliche Spiel gegen Wiesbaden als verloren gewertet wurde.

Germania 94 Frankfurt musste am Ende der Runde erstmals den Gang in die Zweitklassigkeit antreten, Vorjahresabsteiger Germania Bieber gelang der direkte Wiederaufstieg.

1. Frankfurter FV (M) 14 11 2 01 45:12 24–04
2. Viktoria 1894 Hanau 14 09 2 03 31:18 20–08
3. Kickers Offenbach 14 07 4 03 32:21 18–10
4. FSV Frankfurt 14 06 3 05 30:28 15–13
5. SV Wiesbaden 14 05 3 06 19:25 13–15
6. 1. Hanauer FC 93 14 03 3 08 23:34 09–19
7. SC 07 Bürgel 14 03 1 10 19:38 07–21
8. Germania 94 Frankfurt 14 02 2 10 17:40 06–22

Westkreis

Nach dem enttäuschenden Abschneiden im Fusionsjahr sicherte sich der VfR Mannheim in dieser Saison ungeschlagen die Westkreismeisterschaft. Die Mannschaft um den vom Karlsruher FV gekommenen Torhüter Burger, Mittelläufer Trautmann und Torjäger Stemmle wies nach 14 Spielen ein Torverhältnis von 53:8 auf und ließ den Lokalrivalen MFC Phönix sowie die Ludwigshafener FG 03 deutlich hinter sich.

Absteigen musste der FK Olympia Darmstadt, für ihn rückte der lothringische Verein SpVgg Metz nach.

1. VfR Mannheim 14 11 3 00 53:08 25–03
2. Phönix Mannheim (M) 14 08 2 04 35:16 18–10
3. Ludwigshafener FG 03 14 08 2 04 30:27 18–10
4. Phönix Ludwigshafen 14 06 3 05 28:27 15–13
5. FV Kaiserslautern 14 06 2 06 24:23 14–14
6. FC Pfalz 03 Ludwigshafen 14 03 4 07 22:25 10–18
7. Borussia Neunkirchen (N) 14 03 2 09 15:38 08–20
8. FC Olympia Darmstadt 14 02 0 12 10:53 04–24

Südkreis

Im Südkreis war die Leistungsdichte in dieser Saison sehr hoch, am Saisonende lagen zwischen den führenden Mannschaften und dem Absteiger Sportfreunde Stuttgart lediglich 8 Punkte. Durchsetzen konnte sich der Deutsche Vizemeister von 1908, die Stuttgarter Kickers, die das Titelrennen nach einem Entscheidungsspiel gegen den punktgleichen 1. FC Pforzheim für sich entscheiden konnten. Der Titelverteidiger Karlsruher FV, der das Geschehen im Südkreis in der Vorsaison noch klar beherrscht hatte, landete mit drei Punkten Rückstand nur auf Platz vier.

Die Sportfreunde Stuttgart, die in diesem Jahr auf ihren zu den Kickers abgewanderten Nationalspieler Eugen Kipp verzichten mussten, stiegen als Schlusslicht ab, dem FC Mühlburg gelang der direkte Wiederaufstieg.

1. Stuttgarter Kickers 14 7 4 3 24:11 18–10
2. 1. FC Pforzheim 14 8 2 4 37:28 18–10
3. FC Union Stuttgart 14 6 4 4 22:19 16–12
4. Karlsruher FV (M) 14 6 3 5 27:18 15–13
5. Freiburger FC 14 5 2 7 27:25 12–16
6. VfB Stuttgart (N) 14 5 2 7 23:32 12–16
7. Phönix Karlsruhe 14 3 5 6 13:25 11–17
8. Sportfreunde Stuttgart 14 3 4 7 15:30 10–18

Entscheidungsspiel um die Südkreismeisterschaft:

Stuttgarter Kickers 1. FC Pforzheim 2:0 23. Februar 1913 in Karlsruhe

Ostkreis

Die von William Townley betreute Fürther Mannschaft erwies sich in diesem Jahr in der Ostkreis-Liga als unbezwingbar und wurde mit großem Vorsprung Meister. Lediglich der Lokalrivale aus Nürnberg sowie der FC Bayern konnten den „Kleeblättern“ ein Unentschieden abringen (die beiden Spiele endeten jeweils 1:1), hatten aber am Fürther Sportpark Ronhof mit 4:2 bzw. 5:1 das Nachsehen.

Der TV München 1860 stieg erstmals seit Bestehen des Ostkreises in die Zweitklassigkeit ab, der VfB Nürnberg kehrte zur Saison 1913/14 ins bayrische Oberhaus zurück.

1. SpVgg Fürth (M) 14 12 2 00 61:25 26–02
2. FC Bayern München 14 07 5 02 25:23 19–09
3. 1. FC Nürnberg 14 08 2 04 48:17 18–10
4. MTV München 1879 14 07 1 06 23:20 15–13
5. FC Pfeil Nürnberg 14 05 3 06 30:27 13–15
6. Würzburger Kickers (N) 14 03 2 09 17:41 08–20
7. Wacker München 14 03 1 10 13:36 07–21
8. TV München 1860 14 02 2 10 18:46 06–22

Endrunde um die Süddeutsche Meisterschaft

In der süddeutschen Endrunde ging es in diesem Jahr wesentlich spannender zu als in der Vorsaison. Die Meisterschaft wurde erst im letzten Spiel zwischen den Stuttgarter Kickers und dem Frankfurter FV entschieden. In diesem „Endspiel“ – Frankfurt hätte ein Unentschieden genügt, die Kickers mussten gewinnen, um Meister zu werden – behielten die Kickers schließlich mit 1:0 die Oberhand und schoben sich in der Endabrechnung noch vor den Fußballverein. Der Verband musste sich allerdings während bzw. nach Abschluss der Endrunde mit zwei Protesten beschäftigen: Der VfR Mannheim legte Protest gegen die Wertung des in Stuttgart-Degerloch mit 0:5 verlorenen Spieles ein, weil einer seiner Spieler auf dem Platz von einem Hund gebissen wurde. Und die SpVgg. Fürth beklagte nach der 0:1 Heimniederlage gegen Frankfurt sowohl die angebliche Unbespielbarkeit des Platzes, als auch das während des Spiels aufgezogene Unwetter sowie das vermeintlich regelwidrig erzielte Gegentor (der Torrichter hatte Handspiel angezeigt, der Schiedsrichter blieb bei seiner Entscheidung). Die Proteste wurden abgewiesen, aber immerhin insoweit als berechtigt anerkannt, als den Vereinen die Protestgebühr in Höhe von 500 Mark zurückerstattet wurde.

Die Stuttgarter Kickers, die in dieser Saison von dem vom FC Bayern gekommenen englischen Trainer Charles Griffiths trainiert wurden, gingen anschließend mit ihren aktuellen Nationalspielern Otto Löble, Eugen Kipp und Christian Schmidt als Mitfavorit in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft, schieden aber schon im Viertelfinale gegen den Duisburger SpV mit 1:2 aus.

1. Stuttgarter Kickers 6 3 1 2 8:04 7–5
2. Frankfurter FV 6 2 2 2 5:05 6–6
3. VfR Mannheim 6 2 2 2 7:15 6–6
4. SpVgg. Fürth 6 2 1 3 9:05 5–7

Die Endrundenspiele:

VfR Mannheim Stuttgarter Kickers 1:1  ??.??.1913  ?  ?
SpVgg. Fürth VfR Mannheim 6:1 23.02.1913 7000 1:0 Isemann (23.), 2:0 Franz (30.), 3:0 Lang (34.), 3:1 Stemmle (36.), 4:1 Burger (56.), 5:1 Riebe (57.), 6:1 Burger (85.)
VfR Mannheim Frankfurter FV 3:2 02.03.1913  ? 1:0 Trautmann, 2:0 (22.), 2:1, 2:2 (38.), 3:2 Stemmle
Stuttgarter Kickers SpVgg. Fürth 0:2 02.03.1913 5000 0:1 Seitz (32.), 0:2 Burger (54.)
VfR Mannheim SpVgg. Fürth 2:1 09.03.1913 4000 1:0 Stemmle (13. Handelfmeter), 2:0 Stemmle (41.), 2:1 Franz (86.)
Frankfurter FV Stuttgarter Kickers 1:0 09.03.1913 2500 1:0 Jakob Dornbusch (70.)
SpVgg. Fürth Stuttgarter Kickers 0:1 16.03.1913 7000 0:1 (7.)
Frankfurter FV VfR Mannheim 1:1 16.03.1913  ? 1:0 K. Burkhardt (8.), 1:1 (85.)
Stuttgarter Kickers VfR Mannheim 5:0 23.03.1913  ?  ?
SpVgg. Fürth Frankfurter FV 0:1 24.03.1913 4000 0:1 Otto Köllisch (64.)
Frankfurter FV SpVgg. Fürth 0:0 30.03.1913 3000
Stuttgarter Kickers Frankfurter FV 1:0 06.04.1913 7000 1:0 Heilig (22.)

Quellen

Überregional
  • Hardy Grüne: Vom Kronprinzen bis zur Bundesliga. 1890 bis 1963 (= Enzyklopädie des deutschen Ligafußballs. Band 1). Agon Sportverlag, Kassel 1996, ISBN 3-928562-85-1
  • Süddeutscher Fußball-Verband (Hrsg.): 100 Jahre Süddeutscher Fußball-Verband. Vindelica-Verlag, Gersthofen 1997, ohne ISBN (DNB-Link)
  • Der deutsche Fußball (1900 – 1920) (= Libero, Spezial deutsch, Nr. D3, 1992). IFFHS, Wiesbaden 1992, hier insb. S. 84–94 (DNB-Link)
Regional
  • Ulrich Matheja: Schlappekicker und Himmelsstürmer. Die Geschichte von Eintracht Frankfurt. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2007, ISBN 978-3-89533-538-9
  • Dietrich Schulze-Marmeling: Die Bayern. Die Geschichte eines Rekordmeisters. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2009, ISBN 978-3-89533-669-0
  • Harald Schock, Christian Hinkel: Ein Jahrhundert FSV Frankfurt 1899 e.V. Die Geschichte eines traditionsreichen Frankfurter Sportvereins (Festschrift). FSV Frankfurt 1899 e.V. (Hrsg.), Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-89784-189-4
  • 90 Jahre Karlsruher Fussballverein. Eine illustrierte Chronik (Festschrift). Karlsruher FV (Hrsg.), Karlsruhe 1981, ohne ISBN (DNB-Link)
  • Gerhard Zeilinger: Die Pionierzeit des Fussballspiels in Mannheim. Die ersten 25 Jahre von 1894 bis 1919. Fussball-Archiv, Mannheim 1992, ISBN 3-89426-044-0
  • Eintracht-archiv.de - Spielzeiten (private Website über Eintracht Frankfurt)
  • Greuther-fuerth.de - Saisonhistory (offizielle Website der SpVgg Greuther Fürth)
  • Kickers-archiv.de - Spieljahre (private Website über die Stuttgarter Kickers)


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