Saisonrückblick 2015/16

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Rückblick Saison 2015/2016

Die Saison sportlich

Am 21. Juni begann mit ambitionierten Neuzugängen wie dem Rückkehrer und Ex-Bundesliga- sowie einmaligen A-Nationalspieler Hanno Balitsch, dem spielenden Co-Trainer Michael Fink und weiteren Spielern mit Profierfahrung die Vorbereitungen auf neue Saison. Eine Aufstockung des Etats auf 1,2 Millionen Euro machte dies dank der Mannheimer Runde möglich. Die Testspiele gegen überwiegend unterklassige Vereine verliefen positiv und machten durchaus Hoffnung auf die kommenden Aufgaben in der Regionalliga Südwest.

Nach 9 ungeschlagenen Spieltagen in der Liga – dem besten Saisonstart nach 44 Jahren – und dem Erreichen des Halbfinales im Badischen Pokal entstand eine regelrechte Euphorie, die sich auch in den Zuschauerzahlen deutlich bemerkbar machte (Schnitt: 7.533 nach 5 Heimpielen). Einen kleinen Dämpfer hingegen gab es danach allerdings nach dem erneuten vorzeitigen Ausscheiden aus dem Badischen Pokal (1:2 zu Hause gegen den Ligakonkurrenten FC Astoria Walldorf) und der ersten Saisonniederlage, ausgerechnet gegen den bis dato Tabellenletzten Saar 05 Saarbrücken. Doch schnell fanden die Blau-Schwarzen wieder in die Erfolgsspur zurück und verloren bis zum letzen Spieltag nur noch drei Spiele – und diese ausgerechnet nach den Turbulenzen in den Führungsgremien des Vereins. Am Ende der Runde bedeutete dies dennoch die Meisterschaft in der Regionalliga Südwest und damit die Teilnahme an den Relegationsspielen zur 3.Liga.

Die Paarungen der drei Aufstiegsduelle wurden zwar bereits am 03. April live im Fernsehen ausgelost, doch der DFB machte darauf aufmerksam, dass die endgültige Auslosung zwingend erst nach Feststehen der endgültigen Platzierungen der beiden involvierten Südwestvereine durchgeführt werden konnte, da aufgrund der statuarischen Vorgaben sowie der bereits durchgeführten Auslosung die Zuteilung von „Regionalliga Südwest Platz 1“ und „Regionalliga Südwest Platz 2“ erfolgen muss und die Lose nicht durch die Vereinslose „Waldhof Mannheim“ und „SV Elversberg“ ersetzt werden durften. Vereinsvertreter konnten bzw. sie durften hier nicht teilnehmen. Somit hatte man erst am letzten Spieltag der Saison – am Tag des DFB-Pokal Endspiels und ganze vier Tage vor Beginn des Aufstieg-Hinspiels – die Gewißheit, daß man auf die Sportfreunde Lotte, dem Meister der Regionalliga West, traf.

Dieses „Prozedere“ hatte Spekulationen Tür und Tor geöffnet. Gerüchten zufolge stand ohnehin schon fest, dass der Waldhof auf Lotte trifft, damit der FSV Zwickau in den Aufstiegsspielen gegen die mit wenig Fans anreisenden Elversberger in seinem eigenen kleinen Stadion Sojus 31 bleiben kann und nicht in ein Ausweichquartier umziehen muss. Diese Mauschelvorwürfe wies der Verband vehement zurück. "Natürlich gehe alles mit rechten Dingen zu", erklärte ein DFB-Sprecher. Neben dem Spielausschussvorsitzenden sei, wie auch bei den Auslosungen im DFB-Pokal üblich, eine Rechtsaufsicht vor Ort, nur die "Losfee" stehe noch nicht fest (diese war am Ende Andreas Rettig, kaufmännischer Geschäftsleiter des Zweitligisten FC St.Pauli). Die Auslosung fand in Berlin statt, weil der Spielausschuss einmal vor dem Pokalfinale zwischen Bayern und Dortmund in der Hauptstadt tagte.

Waldhof-Trainer Kenan Kocak, vom endlosen Warten auf einen Gegner ohnehin genervt, fand das Los-Prozedere dennoch merkwürdig. "Das sind Regularien, die man generell einmal hinterfragen muss: Was soll das eigentlich? Der DFB überträgt live im Internet, aber niemand von uns ist vor Ort. Ich sehe die Sache sehr kritisch", betonte der 35-Jährige.

Einem respektablem 0:0 im Hinspiel in Lotte folgte vor fast ausverkauftem Haus im Carl-Benz-Stadion dann aber doch die totale Ernüchterung: Der SV Waldhof verlor das Rückspiel mit 0:2 und verpasste damit den Aufstieg in die 3.Liga. Eine tolle sportliche Saison konnte somit nicht gekrönt werden.

Bereits einen Tag später wurden die Spieler, der Trainerstab sowie das Funktionsteam des SV Waldhof von Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz im Rathaus empfangen. Das Mannheimer Stadtoberhaupt lobte die junge Mannschaft für eine tolle Saison, bei der lediglich die Krönung fehlte. Schließlich lag hinter dem SVW trotz des verpassten Aufstiegs die mit Abstand erfolgreichste Saison der vergangenen Jahre. Mit 73 Punkten sind die Blau-Schwarzen Meister der Regionalliga Südwest geworden und haben in der Quadratestadt eine Fußball-Euphorie entfacht, wie es sie schon lange nicht mehr gegeben hat. Dies wurde auch beim Empfang deutlich. So hatten sich einige Waldhof-Fans versammelt, um ihr Team in den wohlverdienten Urlaub zu verabschieden. „Ich hätte es der Mannschaft gewünscht, dass sie heute hier hätte feiern können, aber das ist der Sport, damit müssen wir umgehen“, sagt Waldhof-Coach Kenan Kocak. „Es tut mir auch für die Fans unheimlich leid. Wenn es Fans gibt, die Profifußball verdient haben, dann unsere“, betont Kocak, der den verpassten Aufstieg als „bitterste Niederlage in seiner Trainerlaufbahn sieht.

Die Saison wirtschaftlich

Am 30. Juli stimmten 317 Mitglieder des SV Waldhof auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung mit großer Mehrheit (93,7 Prozent) darüber ab, daß der Profibereich des Traditionsvereins in eine Spielbetriebs-GmbH ausgliedert wurde. Es wurde ein von Nachhaltigkeit geprägtes Konzept vorgestellt, das die angestrebte Rückkehr des SVW und des Mannheimer Fußballs in den Profibereich anschiebt. Die einfache Mehrheit der anwesenden Mitglieder im Kulturzentrum Capitol genügte hierbei.

Im Vorfeld der Versammlung stieg im Umfeld allerdings Ungeduld und Spannung: Wie funktioniert die Ausgliederung? Gibt es Risiken? Ist das vom DFB geforderte Stammkapital von einer Million Euro vorhanden? Zum Beispiel über einen Kapitalgeber? Oder was passiert mit den Altlasten? Präsident Steffen Künster hatte Verständnis für diese Fragen. Doch er versicherte: "Alle Mitglieder werden vor der Versammlung über die Pläne informiert, um sich im Vorfeld Gedanken machen zu können. Ich denke, dass wir eine gute Lösung erarbeitet haben, den SVW für die Zukunft wieder professioneller aufzustellen."

Stefan Kleiber, Vorsitzender der Mittelstandvereinigung "Mannheimer Runde" und seit 1. Juli Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Rhein-Neckar: "Völlig unabhängig vom Kapital liegt die stimmrechtliche Mehrheit auch in der Gesellschaft beim Verein (50+1-Regelung des DFB). Mit Unternehmen unserer Vereinigung, die das Projekt Profifußball unterstützen, wurden die Verträge so gestaltet, dass sie über zunächst drei Jahre laufen. Die Ausgliederung ist hierfür aber Voraussetzung. Die Altlasten würden von der Gesellschaft übernommen und könnten langfristig getilgt werden. Was das Stammkapital betrifft, ist es der Wert des Vereins, den er einbringen kann. Es muss nicht zwingend ein Kapitalgeber sein." Kleiber stellte aber klar: "Einen Investor, der Mehranteile aus Eigeninteressen im zu bestimmenden Aufsichtsrat beansprucht, wird es mit uns nicht geben."

Gegenüber den vergangenen Jahren hielten sich die Verantwortlichen ungewohnt bedeckt. Heckenschützen keine Angriffsfläche zu bieten, spricht für Ruhe und Seriosität. Das ist ein wesentliches Ziel, das die neue Gesellschaft anstrebt. Ein verbessertes Image in der Öffentlichkeit, mehr Professionalität in der Zusammenarbeit mit Sponsoren und Partnern, überhaupt in der Außendarstellung und im operativen Wirken auf der Geschäftsstelle - so sollte der "neue Waldhof" aussehen.

Finanzchef Klaus-Rüdiger Geschwill gab indessen bekannt, dass mit dem langjährigen Geschäftsstellenleiter Andreas Laib ein Auflösungsvertrag abgeschlossen wurde. Kommissarisch hatte am 1. Juli Stephan Pfitzenmeier, PR-Manager der gleichnamigen Fitness-Center-Kette, Laibs Job übernommen. Er war als künftiger Geschäftsführer der angestrebten Gesellschaft vorgesehen.

Das langfristige Ziel der Ausgliederung: den Verein wieder im Profifußball zu etablieren. „Ich kann mich für dieses klare Votum nur bedanken. Das ist ein ganz deutlicher Auftrag und ein wichtiges Signal an die Mannheimer Wirtschaft", freute sich Präsident Steffen Künster über die Entscheidung.

Zuvor bekräftigte Mannheims Oberbürgermeister, Dr. Peter Kurz, das Unterfangen „Ausgliederung“ in einer kurzen Rede: „Der SV Waldhof ist eine starke Marke und für die Stadt Mannheim ein wichtiger Verein, der am ehesten das Potenzial, die Anhängerschaft und die Tradition dazu hat, wieder im bezahlten Fußball Fuß zu fassen." Dr. Peter Kurz sieht die Ausgliederung als „eine große Chance und einen absolut notwendigen Schritt, um stabile Strukturen zu erzeugen.“ „Die Kapitalgesellschaft übernimmt die Verbindlichkeiten des Hauptvereins bei einer Ausgliederung“, erklärte Künster. Somit wäre der Hauptverein schuldenfrei. Über mögliche Investoren sollen die Mitglieder in einer weiteren Mitgliederversammlung endgültig entscheiden. Die Jugendabteilung, das U23-Perspektivteam sowie das Jugendförderzentrum bleiben auch weiterhin im Hauptverein. Eine Regelung zur Finanzierung des Förderzentrums möchten die Verantwortlichen gemeinsam mit der GmbH entwickeln.

neuer Aufsichtsrat

Nach dem Rücktritt des bisherigen Aufsichtsrats bekamen die Bewerber um Rolf Balschbach, Cevdet Celebi, Jens Hanreich, Kai Kemper, Matthias Niemeyer, Thorsten Riehle und Markus Ritzmann ebenfalls eine breite Mehrheit, deren Benennung bzw. Wahl dann allerdings erst am 01.Oktober 2015 stattfand. Thorsten Riehle wurde dabei letztendlich der neue Vorsitzende, seine beiden Stellvertreter hießen Matthias Niemeyer und Markus Ritzmann. Riehle zu seiner neuen Aufgabe: „Ich freue mich sehr darüber, den Verein an entscheidender Stelle in den nächsten Jahren begleiten zu dürfen“, freute sich Riehle über den einstimmigen Wahlvorgang. Er wolle gemeinsam mit den Kollegen aus dem Aufsichtsrat allen Gremien und Verantwortlichen eine offene und konstruktive Zusammenarbeit anbieten. Nur gemeinsam habe man die Möglichkeit, den Verein in die Zukunft zu führen. „Neben dem sportlichen Ergebnis ist die wirtschaftliche Sicherheit unabdingbar“, ergänzte Matthias Niemeyer. Und für Markus Ritzmann ist die Perspektive verbunden mit der Ausgliederung des Profifußballs eine wichtige Weichenstellung in die Zukunft. „Auf diesem Weg müssen wir die Fans und Vereinsmitglieder mitnehmen“, so Riehle. Ein erster 10-Punkte-Plan skizzierte dabei die Arbeit des Aufsichtsrates in den nächsten Monaten. Zum Zeichen der Transparenz wurde dieser Plan auf der Homepage des SV Waldhof offiziell veröffentlicht. Hier im Wortlaut:

Der neue Aufsichtsrat des SVW versteht sich als Motor und Antreiber einer Aufbruchsstimmung, die die Mitglieder bei der außerordentlichen Versammlung am 30. Juli 2015 mit ihrem positiven Votum für die Ausgliederung des Profifußballs in eine Spielgesellschaft geschaffen haben. Wir definieren uns dabei als Teamplayer und machen allen Abteilungen, Gremien und jedem einzelnen Mitglied das Angebot, gemeinsam den Verein zukunftsfähig zu machen, ihn zu entschulden und wirtschaftlich zu stabilisieren.

Zehn Punkte formuliert der Aufsichtsrat als Grundlage für seine Arbeit.

1. Verein und seine Strukturen kennen lernen. Die erste Aufgabe des neuen Aufsichtsrates ist es, den SV Waldhof und seine Strukturen kennen zu lernen. Deshalb ist es wichtig, mit allenEbenen des Vereins ins Gespräch zu kommen und im Gespräch zu bleiben. Dazu gehören die Abteilungsleitungen (Fußball, Handball, Tennis, Gymnastik), die Fanorganisationen und dessen Dachverband Pro Waldhof, CEG, Ehren- und Ältestenrat, Präsidium, Geschäftsst elle usw. Diese Gespräche werden kontinuierlich geführt.

2. Offen für Gespräche mit Fans und Mitgliedern sein. Der Aufsichtsrat sucht das direkte Gespräch mit Fans und Mitgliedern. Ziel muss eine unmittelbare Erreichbarkeit sein. Dadurch wollen wir nicht Entscheidungen oder Tätigkeiten anderer Organe des Vereins in Frage stellen, sondern vielmehr eine positive Entwicklung des Vereins begleiten und befördern.

3. Ansprechpartner für Abteilugen und Themen definieren. Der Aufsichtsrat bestimmt aus seinen Reihen Verantwortliche für folgende Themen:

a. Fußball Verein b. Handball c. Tennis d. Gymnastik e. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit f. Pro Waldhof, Fanverbände und Fanbeauftragte g. Finanzen h. Ausgliederung und Fußball Spielgesellschaft i. Gespräche mit Politik und Verbände wie Sportkreis

Prinzipiell gilt, dass alle Aufsichtsräte über alle Themen informiert sind und involviert werden. Die Verantwortlichen betreuen das jeweilige Thema und sind feste Ansprechpartner für die Anliegen aus dem Verein.

4. Positionierung des Vereins in der Gesellschaft fördern. Der SVW wird in der Öffentlichkeit oftmals als unattraktiver Verein wahrgenommen, der in alten Strukturen lebt und nicht den Blick nach vorne gerichtet hat. Das ist ein völlig falsches Bild eines Vereins, der offen ist für Menschen verschiedenster Herkunft, unterschiedlicher Hautfarbe und ethnischer Zugehörigkeit. Der Aufsichtsrat identifiziert geeignete Maßnahmen, um den Verein Mitten in der Gesellschaftzu positionieren und damit die Werte Toleranz, Gewaltfreiheit sowie Chancengleichheit zubefördern.

5. Pro Waldhof in seinem Bestreben nach positiver Wahrnehmung unterstützen. Der Aufsichtsrat unterstützt Pro Waldhof als Fandachverband in seinen Bemühungen einer positiven Wahrnehmung der Vereinsarbeit und der Fankultur durch die Öffentlichkeit. Außerdem unterstützen wir Pro Waldhof in seinen satzungsgemäßen Aufgaben, wie z.B. Gewaltbereitschaft abzubauen, das Ehrenamt zu unterstützen oder die Fanszene zu stärken.

6. Soziale Verantwortung wahrnehmen. Durch die intensive Jugendarbeit der Abteilungen übernimmt der SVW große soziale Verantwortung innerhalb der Stadtgesellschaft. Dies wollen wir z.B. durch ein jährliches Benefizevent unterstützen.

7. Ausgliederung und Aufbau des Profifußballs positiv begleiten und befördern. Der Aufsichtsrat begleitet die Bestrebungen zur Ausgliederung und zum Aufbau des Profifußballs in Mannheim und wird dazu alle notwendigen Gespräche begleiten. Hierbei achtet der Aufsichtsrat auf die bei der letzten außerordentlichen Mitgliederversammlung vom 30. Juli 2015 getroffenen Beschlüsse und vorgestellten Eckpunkte.

8. Weitere Sponsoren und Unterstützer für den Verein finden und eine finanzielle Zukunft sichern. Der Aufsichtsrat spricht weitere Sponsoren an und bleibt mit den bestehenden Partnern im Gespräch, um Sie an den Verein zu binden. Außerdemwird gemeinsam mit Präsidium und Geschäftsstelle ein finanzielles Rapportwesen aufgebaut, das die Ansprüche vereinheitlicht und die finanzielle Situation des Vereins transparent darstellt.

9. Mit politischen Entscheidern ins Gespräch kommen. Viele Entscheidungen, die den SVW unmittelbar betreffen, werden auf politischer Ebene getroffen. Mit Politikern und der Verwaltung wird der kontinuierliche Austausch gesucht und dauerhaft Gespräche geführt.

10. Innerhalb eines Jahres werden zwei Frauen als weitere Mitglieder in den Aufsichtsrat aufgenommen

Ausgliederung Spielbetriebs-GmbH

Auch an anderer Stelle gab es positive Nachrichten. Geschäftsstellenleiter Stephan Pfitzenmeier berichtete, dass die geplante Ausgliederung der ersten Mannschaft in einer Spielbetriebs-GmbH Anfang 2016 abgeschlossen sein soll. Über den weiteren Verlauf informierte der Klub bei der Jahreshauptversammlung am 30.11.2015. Zudem wurde dort bekannt, daß die Verbindlichkeiten des Klubs laut Finanzvorstand Klaus-Rüdiger Geschwill um rund 100 000 Euro auf 1,1 Millionen Euro reduziert werden konnten. Dank des aktuell auf knapp 6500 Besucher gestiegenen Zuschauerschnitts dürfte der Schuldenstand bis Ende dieser Saison weiter sinken. "Alles was jetzt dazuverdient wird, können wir in die Sanierung fließen lassen", erklärte Geschwill: "Wenn es vernünftig läuft, haben wir dann noch rund 900 000 Euro Verbindlichkeiten."

keine Einigung zwischen Präsidium und Aufsichtsrat

Anfang März 2016 wurde bekannt, daß es zwischen dem Präsidium und Aufsichtsrat doch noch zu keiner Einigung über die Modalitäten der geplanten Ausgliederung des Spielbetriebs in eine Kapitalgesellschaft gekommen ist. Wie die vom DFB geforderte eine Million Euro Stammkapital für die zu gründende Spielbetriebs-GmbH zusammenkommen soll - darüber gab es offenbar unterschiedliche Meinungen. Während das Präsidium dem Vernehmen nach eher die Option mit einem einzigen Investor bevorzugte, von denen drei zur Auswahl standen, versuchte der Aufsichtsrat, die Gesellschaft für eine größere Gruppe von Sponsoren offen zu halten und drängte auf eine baldige Entscheidung. Am 19.04.2016 wurde überraschend eine kurzfristig anberaumte Pressekonferenz für den Folgetag angesetzt, die der „Mannheimer Morgen“ dann noch am gleichen Tag auf seinem Online-Portal veröffentliche (>> zum kompletten Bericht). Was folgte waren Statements aller Beteiligten, die befürchten ließen, daß es einen Rückfall in alte Waldhof-Zeiten geben sollte. Und das sich der Fan-Dachverband „PRO Waldhof“ bereits nach wenigen Tagen vermittelnd eingeschaltet hatte, zeigte zusätzlich die große Sorge um die Außendarstellung und die Zukunft des Vereines.

Schlichtungsgespräch mit PRO Waldhof e.V.

Auf Einladung von PRO Waldhof e.V. trafen sich Präsidium und Aufsichtsrat des SV Waldhof dann am Sonntag, den 24.04.2016, um die Entwicklungen der letzten Woche in einem gemeinsamen Gespräch aufzuarbeiten. Dabei wurden Missverständnisse im Vorgehen und der Kommunikation aufgeklärt. „Wir sind froh, dass alle Beteiligten an einem Tisch zusammengefunden und in konstruktiver Atmosphäre ihre Differenzen besprochen haben“, so der Vorsitzende des Fandachverbandes Achim Schröder. „Die Umsetzung der erzielten Vereinbarung mit den beiden Vereinsgremien werden wir weiter begleiten“, so Schröder weiter. Alle Beteiligten hatten zudem vereinbart, dass über diese Pressemitteilung hinaus aktuell keine weiteren Stellungnahmen erfolgen werden.

Zwei Tage später, am 26.04.2016 folgte schließlich eine erneute – nicht allzu überraschende – Pressemitteilung des SV Waldhof in folgendem Wortlaut: Aufsichtsrat und Präsidium des SV Waldhof Mannheim 07 e.v. sowie PRO Waldhof teilen mit:

1. Der Präsident des SV Waldhof Mannheim 07 e.V. Steffen Künster lässt ab sofort sein Amt Ruhen.

2. Bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 07.06.2016 wird es personelle Veränderungen in den Gremien des Vereins geben.

3. Die weiteren Verhandlungen zur Ausgliederung werden gemeinsam von den Präsidiumsmitgliedern Klaus-Rüdiger Geschwill und Klaus Hafner sowie dem AR Vorsitzendem Thorsten Riehle und seinem Stellvertreter Markus Ritzmann geführt.

Die Brisanz und Eigendynamik der Geschehnisse kommentierte öffentlich drei Tage später am Rande des Spieltag-Derbys gegen Wormatia Worms sogar auch Mannheims Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz: "Es ist schön, wenn Investoren zusätzlich gewonnen werden, aber ich halte es für wichtig, dass es eine Breite hat und man sich nicht abhängig macht von einer Struktur. Das war ein richtiger Ansatz und den sollte man versuchen zu bewahren. Im Moment ist die Situation wieder schwierig geworden. Eigentlich liegt der Ball auf dem Elfmeterpunkt, jetzt muss man sehen, dass man ihn reinmacht. Das Ziel muss sein, Strukturen zu schaffen, die stabil sind. Die Geldgeber müssen das Gefühl haben, das ist seriös, professionell und stabil."

Und auch Mannschaftskapitän Hanno Balitsch sagte: "Überall sind die Mannschaften erfolgreich, bei denen im Umfeld Ruhe herrscht. Es ist klar, dass die Leute im Vorstand endlich wieder für Ruhe sorgen müssen, und zwar nicht mit irgendwelchen Scheinfrieden, sondern es müssen richtungsweisende Entscheidungen für die Zukunft getroffen werden".

Die „Rhein-Neckar-Zeitung“ legte am 11.05.2016 (also einen Tag nach der sportlichen Qualifikation für die Aufstiegs-Relegationsspiele zur 3.Liga !) dann sogar noch eine Schippe drauf, in dem sie einen Pressebericht veröffentlichte und im Wortlaut schrieb: „Im Umlauf sind nämlich mehrere Schreiben, Dokumente, Traktate und Schmähschriften, mit denen Verantwortungsträger, Gremienmitglieder und Ehrenamtler diskreditiert werden. Waldhöfer Papiere eben, die der RNZ vorliegen. Die größte Herausforderung ist es dabei für den neutralen Betrachter, Wahrheit und Legende sorgsam zu unterscheiden.“. Bis ins kleinste Detail wurde berichtet, wer sich wann mit wem getroffen haben soll und wie daraufhin einzelne „handelnde Personen“ vermeintlich reagiert haben.

Der „Mannheimer Morgen“ folgte am gleichen Tag im Online-Portal ebenfalls mit einer Veröffentlichung in folgendem Wortlaut: Waldhof-Aufsichtsratschef Thorsten Riehle will sich vorerst nicht festlegen, ob er als neuer Präsident des Klubs zur Verfügung steht. "Keine Frage, die derzeit nicht gestellt werden muss, steht jetzt zur unmittelbaren Klärung an. Dazu gehört auch die Frage der Präsidentschaft. Zunächst kommt der Sport, dann muss das Präsidium der Mitgliedschaft das Konzept vorstellen, erst danach stellen sich Personalfragen", teilte der Capitol-Chef mit. Primär wichtig seien jetzt die Relegation, die "Sicherung der Lizenz" für die Dritte Liga und die Ausgliederung. "Die unterschiedlichen Auffassungen in der Frage der Strategie müssen zurückgestellt werden, um die Lizenz nicht zu gefährden. Hier steht nun das Präsidium in der Pflicht. Außerdem brauchen wir Ruhe, um keine Verunsicherung in die Mannschaft und den Verein zu tragen", erklärte Riehle.

Doch schon einen Tag später, am 12.05.2016, kam dann überraschend doch noch eine erfreuliche Nachricht, als ein Kompromissvorschlag der Öffentlichkeit vorgestellt wurde (>> zum kompletten Pressebericht. Er sollte für ein paar Tage einen Schulterschluss aller Beteiligten demonstrieren.

Rücktritt Aufsichtsrat

Denn nach dem verpassten sportlichen Aufstieg in die dritte Liga trat dann nur fünf Tage später genau das ein, was viele im Umfeld befürchteten: Einhergehende erneute Unruhe rund um das Thema „Zukünftige Ausrichtung des Vereins.“ Der Ankündigung des Restpräsidiums, Investor Bernd Beetz nun offiziell in einem Pressegespräch vorstellen zu wollen, bewog den Aufsichtsrat personell dazu – bis zur Neuwahl mit einer einzigen Ausnahme – mit sofortiger Wirkung komplett sein Mandat niederzulegen. Er begründete dies in einer offiziellen schriftlichen Stellungnahme wie folgt:

„Über das Engagement der Mannheimer Runde haben viele Unternehmen aus Mannheim und der Region den Weg zum SV Waldhof Mannheim gefunden. Damit wurde zusammen mit den treuen bisherigen Unterstützern das finanzielle Fundament nicht nur deutlich erweitert, sondern auch im Sinne des „Mannheimer Wegs“ auf eine breite, in der Gesellschaft verankerte und weiter wachsende Basis gestellt. Dieser wichtige Pfeiler des Erfolgs in der abgelaufenen Saison ist nunmehr gefährdet. Dieser "Mannheimer Weg" ist nach fester Überzeugung des Aufsichtsrats Voraussetzung für den SV Waldhof Mannheim in eine finanziell abgesicherte und fußballerisch erfolgreiche Zukunft. Von den Entscheidungen eines einzelnen Investors darf der SV Waldhof Mannheim nicht abhängig sein. Der Aufsichtsrat ist der tiefen Überzeugung, dass in diesen wichtigen Fragen innerhalb des Vereins Diskussionen möglich sein müssen. Die bestehenden Sponsoren, die den sportlichen Erfolg bis hin zur Relegation mit ermöglicht haben, und das bestehende Investorenmodell der Mannheimer Runde hat das Präsidium in seinen weiteren Planungen nicht berücksichtigt. Trotz mehrfacher Aufforderung gab es bis heute keine Gespräche mit den Sponsoren und Investoren aus der Mannheimer Runde. Besonders schwer erschüttert wurde die Vertrauensbasis zwischen Aufsichtsrat und Präsidium durch die Pressekonferenz am 20. April. In dem danach von Pro Waldhof initiierten Schlichtungsgespräch wurde schriftlich der Rücktritt sowie die Neuwahl des Präsidiums zugesagt und nunmehr widerrufen. Die für den 7. Juni angekündigte Mitgliederversammlung hat das Präsidium auf unbestimmte Zeit verschoben. Eine gedeihliche Zusammenarbeit ist so nicht mehr möglich.“

Stellungnahme des Restpräsidiums

Die Stellungnahme des Restpräsidiums lies nicht lange auf sich warten und wurde mit folgendem Wortlaut zitiert:

„Das Präsidium nimmt den Rücktritt von sechs Mitgliedern des Aufsichtsrats überrascht zur Kenntnis. Die dazu abgegebenen Begründungen sind für das Präsidium nicht nachvollziehbar. Das noch verbliebene Mitglied des Aufsichtsrats, Markus Ritzmann, wird vom Präsidium jede gewünschte Unterstützung erhalten, um zeitnah Kandidaten zur Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit des Aufsichtsrats vorstellen zu können. Das zitierte Pressegespräch wurde von Herrn Bernd Beetz initiiert und er hat auch dazu eingeladen. Da Herr Beetz sich zum Zeitpunkt der Einladung nicht in Deutschland befand, bat er den SV Waldhof, die Einladung über den Presseverteiler des Vereins zu versenden. Der Aufsichtsrat war über das Pressegespräch informiert. In einer gemeinsamen Sitzung des Aufsichtsrats mit dem Präsidium am 28.05.2016 wurde der Aufsichtsrat darüber in Kenntnis gesetzt, dass Herr Beetz in der Woche ab dem 06.06.2016 zu einem Pressegespräch einladen werde. Der Aufsichtsrat hat die Vorstellung von Herrn Beetz ausdrücklich begrüßt. Das Präsidium hält fest, dass es mehrere Gespräche zwischen Herrn Beetz und dem Vorstandsvorsitzenden der Mannheimer Runde, dem Aufsichtsrat und dem Präsidium gab, zuletzt am 04.05.2016. Herr Beetz erklärte dabei ebenso wie das Präsidium stets, dass man mit allen Beteiligten zusammen arbeiten wolle. Eine ebensolche Kooperationsbereitschaft hat das Präsidium seitens des Vorstandsvorsitzenden der Mannheimer Runde vermisst, der im letzten gemeinsamen Gespräch im Beisein des Aufsichtsratsvorsitzenden eine Zusammenarbeit mit dem Präsidium ausdrücklich ausgeschlossen hat. Allen Abteilungen und Mitgliedern des Vereins, allen Sponsoren und Interessierten werden im Vorfeld der außerordentlichen Mitgliederversammlung Termine angeboten, in denen die Möglichkeit gegeben wird, sich direkt und objektiv zu informieren. Die Umsetzung des Mannheimer Weges unter Berücksichtigung der in der außerordentlichen Mitgliederversammlung des letzten Jahres festgelegten Rahmenbedingungen, ist dem Präsidium Aufgabe und Ziel.“



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