Berliner Landespokal (Fußball)

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Der Berliner Landespokal ist ein jährlich vom Berliner Fußballverband (BFV, früher VBB u.a.) ausgetragener Verbandspokal. Spielberechtigt sind alle beim BFV gemeldeten Amateurmannschaften, die am regulären Spielbetrieb teilnehmen sowie der Sieger des Freizeitpokals. Der Pokalsieger erhält die Berechtigung, in der 1. Runde des DFB-Pokals teilzunehmen. Nicht spielberechtigt sind somit die Berliner Fußballteams, welche in der ersten bzw. zweiten Bundesliga spielen (in der Saison 2006/07 betrifft dies nur Hertha BSC). Die Pokalendspiele werden heutzutage im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark ausgetragen. Die jeweilige Pokalbegegnungen werden in nur einem Spiel entschieden, wobei sich die beiden antretenden Vereine die Zuschauereinnahmen teilen. Der Sieger wird ggf. nach Verlängerung und Elfmeterschießen ermittelt. Der Pokal existiert mit Unterbrechungen seit dem Jahr 1906. Rekordpokalsieger ist Tennis Borussia Berlin mit 15 Titeln (wobei ein Sieg von den Amateuren des Vereins errungen wurde).

1906–50: Gesamtberliner Pokal

Allgemeines

Bis zum Jahr 1931 wurde der Pokal als Berliner Verbandspokal im gesamten Berlin ausgetragen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der damit einhergehenden Teilung Berlins in vier Sektoren, als der Pokal in der Saison 1946/47 unter dem Namen Pokal des amerikanischen Drahtfunks und dann bis 1950 als RIAS-Pokal ausgetragen wurde, änderte sich daran zunächst nichts. So wurde beispielsweise die in Ost-Berlin beheimatete SG Oberschöneweide noch in den Jahren 1947 und 1948 Pokalsieger.

In seinen Anfangsjahren wurde der Pokal vor allem durch den BFC Viktoria 1889 (anfangs noch unter dem Namen BTuFC Viktoria 1889) geprägt. Die Viktorianer konnten immerhin fünf Pokalsiege einfahren. Aber auch der heutige Bundesligist Hertha BSC errang vier Siege.

Endspielergebnisse

Jahr Pokalsieger Finalist Ergebnis
1907 BTuFC Viktoria 1889 Berliner BC 03 2:0
1908 BTuFC Viktoria 1889 BTuFC Union 1892 4:0
1909 BTuFC Viktoria 1889 Berliner BC 03 4:0
1910 Weißenseer FC BSC Fortuna 4:1
1920 BFC Hertha 92 (Sieger einer 14er Liga)
1923 SV Norden-Nordwest 1898 BBC Brandenburg 92 2:0
1924 Hertha BSC BV 06 Luckenwalde 1:0
1925 SV Norden-Nordwest 1. FC Neukölln 3:1
1926 BFC Viktoria 1889 Union Oberschöneweide 4:3
1927 BFC Viktoria 1889 SV Norden-Nordwest 6:2
1928 Hertha BSC BV 06 Luckenwalde 9:2
1929 Hertha BSC BFC Viktoria 1889 5:1
1930 Berliner SV 1892 Spandauer SV 5:1
1931 Tennis Borussia Berlin SC Wacker 04 Berlin 6:0
1946 SG Wilmersdorf SG Tempelhof 2:1 n.V.
1947 SG Oberschöneweide SG Wilmersdorf 4:3 n.V.
1948 SG Oberschöneweide SG Charlottenburg 2:2 n.V. u. 3:1
1949 Tennis Borussia Berlin BFC Alemannia 90 2:0

1950–91: West-Berliner Pokal

Allgemeines

Durch die Gründung der BRD und der DDR im Jahre 1949, sowie der Einführung der DDR-Oberliga und des FDGB-Pokals in Ostdeutschland änderte sich für den Berliner Pokal vieles. Ab der Saison 1950/51 hatten die Ost-Berliner Mannschaften an den DDR-Wettbewerben teilzunehmen und der Berliner Pokal blieb den West-Berliner Teams vorenthalten.

In den Jahren 1950 bis 1970 trug der Pokal den Namen Karl-Heinz-Schulz-Pokal. Schulz war Trainer und Sportjournalist. U. a. trainierte er den deutschen Ruder-Achter bei den Olympischen Spielen 1936. Mit 39 Jahren starb er infolge einer Operation.

Im Jahr 1969 gab es keinen Pokalsieger, da während dieser Zeit noch keine Entscheidungen per Elfmeter getroffen wurden und Hertha 03 Zehlendorf kurz nach dem Spiel zu einer traditionellen Weltreise antrat, wodurch kein Termin für ein Rückspiel gefunden werden konnte.

1970 wurde der Pokal in Paul-Rusch-Pokal umbenannt. Der Namensgeber Paul Rusch war ein Berliner Sportfunktionär, der 1949 durch die Alliierten 1. Vorsitzender des damaligen Berliner Fußballverbandes (damals VBB) wurde. Dieses Amt bekleidete er bis 1970. Am Paul Rusch-Pokal nahmen alle Amateur-Vereine teil, die am regelmäßigen Punktspielbetrieb des Berliner Fußballverbandes (BFV) teilnahmen. Seit der Saison 1957/58 qualifizierte sich der Sieger des Karl-Heinz-Schulz- bzw. Paul-Rusch-Pokals für den bundesweiten Pokalwettbewerb, den DFB-Pokal.

Endspielergebnisse

Jahr Pokalsieger Finalist Ergebnis
1950 SC Wacker 04 Berlin Tennis Borussia Berlin 2:1 n.V.
1951 Tennis Borussia Berlin SC Union 06 Berlin 2:1 n.V.
1952 SV Blau-Weiß 1890 Berlin SC Wacker 04 Berlin 3:0
1953 BFC Viktoria 1889 Berliner SV 1892 4:2
1954 Spandauer SV Tennis Borussia Berlin 1:0
1955 Spandauer SV SC Minerva 1893 2:1 n.V.
1956 Spandauer SV SC Tasmania 1900 Berlin 2:2 u. 1:1 n.V. [1]
1957 SC Tasmania 1900 Berlin Berliner SV 1892 3:1
1958 Hertha BSC Spandauer SV 4:1
1959 Hertha BSC SC Wacker 04 Berlin 5:2
1960 SC Tasmania 1900 Berlin Tennis Borussia Berlin 3:0
1961 SC Tasmania 1900 Berlin BFC Südring 3:0
1962 SC Tasmania 1900 Berlin BFC Meteor 06 4:1
1963 SC Tasmania 1900 Berlin SC Wacker 04 Berlin 2:1
1964 Tennis Borussia Berlin Spandauer SV 2:2 n.V. u. 7:1
1965 Tennis Borussia Berlin SC Wacker 04 Berlin 1:1 n.V. u. 3:2
1966 Hertha BSC Tennis Borussia Berlin 6:3
1967 Hertha BSC SC Tasmania 1900 Berlin 1:0
1968 SC Wacker 04 Berlin FC Hertha 03 Zehlendorf 4:2
1969 kein Sieger[2] Tennis Borussia Berlin
Hertha 03 Zehlendorf
1:1 n.V.
1970 SC Tasmania 1900 Berlin Tennis Borussia Berlin 2:0
1971 SC Tasmania 1900 Berlin SC Wacker 04 Berlin 4:2
1972 SC Wacker 04 Berlin SpVgg Hellas-Nordwest 04 5:0
1973 Tennis Borussia Berlin SV Blau-Weiß 1890 Berlin 1:0
1974 Rapide Wedding FC Hertha 03 Zehlendorf 5:3
1975 Spandauer SV FC Hertha 03 Zehlendorf 4:1
1976 Hertha BSC Amateure BFC Preussen 4:1
1977 FC Hertha 03 Zehlendorf 1. Traber FC Mariendorf 2:1
1978 Spandauer SV BFC Preussen 2:1
1979 BFC Preussen Reinickendorfer Füchse 5:3
1980 BFC Preussen SC Wacker 04 Berlin 6:1
1981 BFC Preussen Reinickendorfer Füchse 2:1
1982 FC Hertha 03 Zehlendorf Rapide Wedding 3:1
1983 SC Charlottenburg Tennis Borussia Berlin 3:2
1984 SV Blau-Weiß 1890 Berlin Lichterfelder Spielunion 3:1
1985 Tennis Borussia Berlin SC Charlottenburg 1:0
1986 SC Charlottenburg Spandauer SV 2:1
1987 Hertha BSC Tennis Borussia Berlin 2:0
1988 Türkiyemspor Berlin BFC Preussen 2:1 n.V.
1989 FC Hertha 03 Zehlendorf Türkiyemspor Berlin 2:0
1990 Türkiyemspor Berlin FC Hertha 03 Zehlendorf 2:1
1991 Türkiyemspor Berlin NSC Marathon 02 3:0

1992 bis heute: Paul-Rusch-, ODDSET- und BFV-Pokal

Allgemeines

Nach der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990 folgte auch im Fußballbereich in der Saison 1991/92 die Zusammenlegung der ehemaligen West- und Ost-Teams. So sind seitdem auch die Ostberliner Vereine teilnahmeberechtigt am Berliner Pokalwettbewerb. Bis heute gelang es allerdings nur zwei ehemaligen DDR-Teams, den Pokal zu gewinnen: Dem 1. FC Union Berlin 1994 und 2007 sowie dem BFC Dynamo 1999. Zudem gab es drei weitere Finalspiele mit Beteiligung von ehemaligen Ost-Berliner Clubs (2000 erneut durch den BFC Dynamo sowie 1997 durch den 1. FC Union).

Der Paul-Rusch-Pokal entwickelte selten überregionale Bedeutung. 1992 sorgte jedoch der Pokalsieger Hertha BSC Amateure für bundesweites Aufsehen. Durch den Sieg im Berliner Wettbewerb qualifizierte sich der Drittligist für den DFB-Pokal und spielte sich hier erneut überraschend bis in das Finale des DFB-Pokals. 2001 standen erstmals in einem bundesdeutschen Regionalpokalfinale zwei Migrantenteams im Endspiel: Der SV Yeşilyurt Berlin traf auf Türkiyemspor Berlin. Das „türkische Derby“ sorgte für internationales Medieninteresse und eine einmalige TV-Liveübertragung des Paul-Rusch-Pokals Endspiels und zwar durch den türkischen TV-Sender TRT-int über Satellit weltweit.

Im Jahr 2004 wurde der Wettbewerb erneut umbenannt und trug bis zum Jahr 2006 den Namen ODDSET-Cup. Tennis Borussia sollte in diesen zwei Jahren der einzige Sieger dieses Pokals bleiben. Aufgrund einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes durfte der Name nicht weiter geführt werden und der Pokal erhielt den Namen BFV-Pokal - unter der Schirmherrschaft von Lotto Berlin, kurz BFV-Pokal.

Endspielergebnisse

Jahr Pokalsieger Finalist Ergebnis
1992 Hertha BSC Amateure Reinickendorfer Füchse 1:0
1993 Tennis Borussia Berlin Türkiyemspor Berlin 2:0
1994 1. FC Union Berlin SD Croatia Berlin 2:1
1995 Tennis Borussia Berlin Türkiyemspor Berlin 5:0
1996 Tennis Borussia Berlin FC Hertha 03 Zehlendorf 2:0
1997 Reinickendorfer Füchse 1. FC Union Berlin 1:0
1998 Tennis Borussia Berlin VfB Lichterfelde 1892 2:0
1999 BFC Dynamo Türkspor Berlin 4:1
2000 Tennis Borussia Berlin Amateure BFC Dynamo 2:0
2001 SV Yeşilyurt Berlin Türkiyemspor Berlin 2:1
2002 Tennis Borussia Berlin Reinickendorfer Füchse 4:0
2003 Reinickendorfer Füchse Tennis Borussia Berlin 1:0
2004 Hertha BSC Amateure SV Yeşilyurt Berlin 3:0
2005 Tennis Borussia Berlin BFC Alemannia 90 Wacker 5:4 n. E.
2006 Tennis Borussia Berlin Hertha BSC II 2:1 n. V.
2007 1. FC Union Berlin Köpenicker SC 7:0

Rekordgewinner

Rang Verein Anzahl
1 Tennis Borussia Berlin 15[3]
2 Hertha BSC 12[4]
3 SC Tasmania 1900 Berlin 7
4 BFC Viktoria 1889 6
5 Spandauer SV 5
  1. Die erste Partie wurde abgebrochen. Nach der zweiten Partie entschied das Los für den Spandauer SV
  2. Es konnte kein Termin für das Rückspiel gefunden werden.
  3. Ein Titel wurde von der 2. Mannschaft des Vereins gewonnen.
  4. Drei Titel wurden von der 2. Mannschaft des Vereins gewonnen.

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