Betriebssportgemeinschaft

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Betriebssportgemeinschaft (abgekürzt: BSG) steht im Allgemeinen als Begriff für den Zusammenschluss von Sportinteressierten eines Unternehmens oder einer Branche. Die Betriebssportgemeinschaft verfügt in aller Regel über keine eigene Rechtspersönlichkeit. In Ausnahmefällen ist eine BSG in Vereinsform anzutreffen. Es existieren zahlreiche solche Vereinigungen, häufig mit Unterstützung des Arbeitgebers, vor allem bei Unternehmen deren Philosophie eine ausgeprägte Sozialprägung aufweist.

Betriebssportgemeinschaften in der DDR

In der DDR bezeichnete der Begriff Betriebssportgemeinschaft (BSG) die wichtigste Organisationsform des Breitensports. Die BSG stellten die Grundorganisationen des Deutschen Turn- und Sportbundes (DTSB) in den Volkseigenen Betrieben (VEB) und staatlichen Einrichtungen dar. Der DDR-Leistungssport wurde dagegen in den so genannten Sportclubs gefördert.

Entstehung

Die Betriebssportgemeinschaften wurden zunächst entsprechend der Organisationsstruktur der Gewerkschaften im Gewerkschaftsbund FDGB in 18 verschiedene BSGs zusammengefasst.

Betriebssportgemeinschaft Branche
Aufbau Bauwesen
Chemie chemische, Glas- und Keramikindustrie
Empor Handel und Nahrungsgüterwirtschaft
Fortschritt Leicht- und Textilindustrie
Lokomotive Verkehrswesen
Medizin Gesundheitswesen
Motor Maschinen- und Fahrzeugbau
Post Fernmeldewesen
Rotation polygrafische Industrie und Verlagswesen
Stahl Metallurgie
Traktor produktionsnahe Landwirtschaft
Turbine Energieindustrie
HSG Wissenschaft Universitäten und Hochschulen
Wismut Untertagebergbau
Sachsenring Trabantwerke

Nach der Gründung des DTSB 1957 gingen 12 der BSG-Sportvereinigungen als unterste Organisationsebene im DTSB auf, also unterhalb der Kreis- und der Bezirksorganisationen. Die Namen der einzelnen BSGs wurden je nach Produktionsbereich des jeweiligen Betriebs beibehalten. Die BSG Lokomotive und die SV Wismut bis 1978 eine eigenständige Organisation innerhalb des DTSB.

Funktion

Die BSG hatten den sowohl ideologisch als auch gesundheitspolitisch motivierten Auftrag der Verbreitung und Popularisierung des Massensports in der DDR. Zu diesem Zweck wurden zahlreiche Betriebssportwettbewerbe und Massenveranstaltungen durchgeführt, z.B. »Mach-mit-bleib-fit!«-Wettkämpfe oder die Erfüllung der Bedingungen für das Sportabzeichen "Bereit zur Arbeit und zur Verteidigung der Heimat".

Diskrepanz zwischen Sportclubs und BSG

Der Kontrast der BSG zu den Sportclubs und Fußballclubs, die als alleinige Leistungszentren des DDR-Spitzensports fungierten, wurde insbesondere in der Fußball-Oberliga deutlich, in der sich eine politisch gewollte Zwei-Klassen-Gesellschaft entwickelte: Die erheblich geförderten und unter weitgehend professionellen Bedingungen arbeitenden Fußballclubs dominierten den Spielbetrieb in jeder Hinsicht, die besten Betriebssportgemeinschaften dienten dagegen allein als Reservoir an talentierten Nachwuchsspielern, welche später zu den Fußballclubs "delegiert" wurden. Nach 1954 wurde deshalb nur einmal eine BSG-Mannschaft DDR-Fußballmeister: die BSG Chemie Leipzig im Jahr 1964. Von 1968 bis 1991 standen dagegen immer Fußballclubs auf den ersten drei Plätzen der Oberliga-Tabelle.

Die bekanntesten BSG-Fußballmannschaften waren neben dem zweimaligen DDR-Meister BSG Chemie Leipzig die langjährigen Oberligateams BSG Sachsenring Zwickau und BSG Wismut Aue.

Siehe auch

Betriebssport



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