Fußball-Weltmeisterschaft 1986

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Mexico 86
Mexico 1986.svg
Anzahl Nationen 24 (von 112 Bewerbern)
Sieger Argentinien (2. Titel)
Austragungsort Mexiko
Eröffnungsspiel 31. Mai 1986
Endspiel 29. Juni 1986
Spiele 52
Tore 132  (Ø: 2.54 pro Spiel)
Zuschauer 2.400.000  (Ø: 46.154 pro Spiel)
Torschützenkönig Gary Lineker (England) 6 Tore
Bester Spieler Diego Maradona (Argentinien)
Teilnehmer

Die Endrunde zur 13. Fußball-Weltmeisterschaft wurde vom 31. Mai bis zum 29. Juni 1986 in Mexiko ausgetragen. Ursprünglich sollte sie in Kolumbien veranstaltet werden. Weil aber Kolumbien die Auflagen der FIFA nicht erfüllen konnte, wurde 1983 von der FIFA Mexiko zum neuen Austragungsort bestimmt.

Der Gastgeber

Kolumbien war der einzige Kandidat, der sich für die WM 1986 bewarb, die turnusgemäß in Südamerika oder eventuell auch in Nordamerika stattfinden sollte. Auf dem FIFA-Kongress in Stockholm am 9. Juni 1974 erfolgte der Zuschlag per Akklamation.

Nachdem die FIFA beschlossen hatte das Teilnehmerfeld von 16 auf 24 Mannschaften zu erhöhen, sah sich der kolumbianische Fußballverband nicht mehr in der Lage, das Turnier zu organisieren. Am 5. November 1982 sagte Kolumbien endgültig ab.

Am 20. Mai 1983 wählte die FIFA auf ihrem Kongress in Zürich Mexiko zum Ersatzausrichter. Die Mexikaner setzten sich gegen Brasilien und die USA durch, die sich ebenfalls als Ersatzgastgeber für Kolumbien angeboten hatten. Trotz der kurzen Vorbereitungszeit und obwohl Mexiko im September 1985 von einem schweren Erdbeben erschüttert wurde, verlief die Veranstaltung reibungslos. Somit wurde Mexiko als erstes Land zum zweiten Mal Gastgeber einer Weltmeisterschaft.

Austragungsorte

WM-Spiele wurden in den folgenden Städten ausgetragen:

(1986) (aktuell)
Stadion Spiele Plätze Plätze
Guadalajara Estadio Jalisco 7 066193 056713
Guadalajara Estadio Tres de Marzo 2 030015 030015
Irapuato Estadio Sergio León Chavez 3 031336 033000
León Estadio Nou Camp 4 030531 033943
Mexiko-Stadt Aztekenstadion 9 110574 105000
Mexiko-Stadt Olympiastadion 4 072212 066000
Monterrey Estadio Tecnológico 4 033805 033485
Monterrey Estadio Universitario 4 043780 041000
Nezahualcóyotl Estadio Neza 86 3 034536 028500
Puebla Estadio Cuauhtémoc 5 046416 042648
Querétaro Estadio La Corregidora 4 038576 042648
Toluca Estadio Nemesio Díez 3 032612 027000


Qualifikation

Siehe Hauptartikel: Qualifikation zur Fußball-Weltmeisterschaft 1986

Da Titelverteidiger Italien und Veranstalter Mexiko direkt qualifiziert waren und das WM-Turnier mit 24 Mannschaften ausgetragen wurde, standen für die verbleibenden 119 Mannschaften 22 freie Endrundenplätze zur Verfügung. Insgesamt nahmen 111 Mannschaften an der Qualifikation teil. Schottland setzte sich als schlechtester Gruppenzweiter der europäischen Zone gegen den Gewinner der ozeanischen Zone (Australien) durch. Für Dänemark, den Irak und Kanada war es die erste WM-Teilnahme.

14 aus Europa Flag of Belgium.svg Belgien Flag of Bulgaria 1971-1990.png Bulgarien Flag of Denmark.svg Dänemark Flag of Germany.svg Deutschland Flag of England.svg England
  Flag of France.svg Frankreich Flag of Italy.svg Italien Ulster banner.svg Nordirland Flag of Poland.svg Polen Flag of Portugal.svg Portugal
  Flag of the Soviet Union.svg Sowjetunion Flag of Spain.svg Spanien Flag of Scotland.svg Schottland Flag of Hungary (1957-1989).png Ungarn  
4 aus Südamerika Flag of Argentina.svg Argentinien Flag of Brazil (1968-1992).svg Brasilien Flag of Paraguay 1954.png Paraguay Flag of Uruguay.svg Uruguay
2 aus Nord- und Mittelamerika Flag of Canada.svg Kanada Flag of Mexico.svg Mexiko  
2 aus Afrika Flag of Algeria.svg Algerien Flag of Morocco.svg Marokko      
2 aus Asien 30px Irak Flag of South Korea.svg Südkorea      

Auslosung und Modus

Die 24 Teilnehmer wurden in sechs Vorgruppen mit je vier Mannschaften eingeteilt. Die beiden ersten jeder Gruppe sowie die vier besten Drittplatzierten qualifizierten sich für das Achtelfinale. Ab dem Achtelfinale wurde das Turnier im K.-o.-System ausgetragen.

  • gesetzte Gruppenköpfe:   Italien • Mexiko • Frankreich • Brasilien • BR Deutschland • Polen
  • Topf 1:   Argentinien • Paraguay • Uruguay • England • Sowjetunion • Spanien
  • Topf 2:   Algerien • Marokko • Irak • Südkorea • Kanada • Dänemark
  • Topf 3:   Belgien • Bulgarien • Nordirland • Portugal • Schottland • Ungarn

Als erstes wurde ausgelost aus welchen Topf gezogen wird. Gelost wurde: Zuerst wurde aus Topf 3 gezogen, dann aus Topf 2 und als letzter Topf kam Topf 1 dran.
Die erste europäische Mannschaft die aus Topf 1 gezogen wurde, wurde der Brasilien-Gruppe zugeordnet, der Rest wurde frei zugelost.
Aus den Töpfen 2 und 3 wurden die Teams den sechs Gruppen völlig frei zugelost.

Gruppe A Gruppe B Gruppe C
Flag of Italy.svg Italien Flag of Mexico.svg Mexiko Flag of France.svg Frankreich
Flag of Bulgaria 1971-1990.png Bulgarien Flag of Belgium.svg Belgien Flag of Canada.svg Kanada
Flag of Argentina.svg Argentinien Flag of Paraguay 1954.png Paraguay Flag of the Soviet Union.svg Sowjetunion
Flag of South Korea.svg Südkorea Flag of Iraq (1963-1991).svg Irak Flag of Hungary (1957-1989).png Ungarn
Gruppe D Gruppe E Gruppe F
Flag of Brazil (1968-1992).svg Brasilien Flag of Germany.svg BR Deutschland Flag of Poland.svg Polen
Flag of Spain.svg Spanien Flag of Uruguay.svg Uruguay Flag of Morocco.svg Marokko
Flag of Algeria.svg Algerien Flag of Scotland.svg Schottland Flag of Portugal.svg Portugal
Ulster banner.svg Nordirland Flag of Denmark.svg Dänemark Flag of England.svg England

Der Auslosungsmodus zeigte gravierende Schwächen, so das groteske Gruppenzusammenstellungen möglich waren. So war es möglich das Kanada in die gleiche Gruppe wie Mexiko gelost wird, so dass die beiden einzigen CONCACAF-Vertreter in einer Gruppe gespielt hätten. Eben den Zustand den die FIFA bei den Südamerikaner zu verhindern wusste. Es wäre sogar eine Gruppe mit vier europäischen Mannschaften möglich gewesen. Der Auslosungs-GAU dass einem europäischen Gruppenkopf Dänemark und ein weiterer Europäer aus Topf 1 zugelost würde, wurde nur um ein Haar abgewendet. Als letzte Lose lagen nämlich England und Uruguay im Topf, worauf glücklicherweise Uruguay gezogen wurde, so dass Uruguay zu den drei europäischen Mannschaften in Gruppe E kam, und England in die Gruppe F mit Marokko wanderte.

Spielergebnisse

Gruppenspiele

Gruppe A

Rang Land Tore Punkte
1 Flag of Argentina.svg Argentinien 6:2 5:1
2 Flag of Italy.svg Italien 5:4 4:2
3 Flag of Bulgaria 1971-1990.png Bulgarien 2:4 2:4
4 Flag of South Korea.svg Südkorea 4:7 1:5
31. Mai 1986 in Mexiko-Stadt (Olympiastadion)
Flag of Bulgaria 1971-1990.png Bulgarien Flag of Italy.svg Italien 1:1 (0:1)
2. Juni 1986 in Mexiko-Stadt (Olympiastadion)
Flag of Argentina.svg Argentinien Flag of South Korea.svg Südkorea 3:1 (2:0)
5. Juni 1986 in Puebla
Flag of Italy.svg Italien Flag of Argentina.svg Argentinien 1:1 (1:1)
5. Juni 1986 in Mexiko-Stadt (Olympiastadion)
Flag of South Korea.svg Südkorea Flag of Bulgaria 1971-1990.png Bulgarien 1:1 (0:1)
10. Juni 1986 in Puebla
Flag of South Korea.svg Südkorea Flag of Italy.svg Italien 2:3 (0:1)
10. Juni 1986 in Mexiko-Stadt
Flag of Argentina.svg Argentinien Flag of Bulgaria 1971-1990.png Bulgarien 2:0 (1:0)

In Gruppe A setzten sich erwartungsgemäß die Favoriten Argentinien und Italien durch, dazu auch Bulgarien als Gruppendritter. Der Titelverteidiger aus Italien konnte allerdings dabei nicht im alten Glanz aufspielen und überstand die Vorrunde eher schlecht als recht. Lediglich die erste Halbzeit des Treffens mit Argentinien gehörte zu den Höhepunkten der Vorrunde. Italien vergab gegen Bulgarien im Eröffnungsspiel einen möglichen Sieg und quälte sich auch zu einem mühsamen Erfolg gegen die als krasse Außenseiter angesehenen Südkoreaner. Argentinien hingegen gewann gegen Bulgarien und Südkorea im Schongang, die Spiele waren klarer, als es die Ergebnisse vielleicht zeigen mögen.

Gruppe B

Rang Land Tore Punkte
1 Flag of Mexico.svg Mexiko 4:2 5:1
2 Flag of Paraguay 1954.png Paraguay 4:3 4:2
3 Flag of Belgium.svg Belgien 5:5 3:3
4 Flag of Iraq (1963-1991).svg Irak 1:4 0:6
3. Juni 1986 in Mexiko-Stadt
Flag of Belgium.svg Belgien Flag of Mexico.svg Mexiko 1:2 (1:2)
4. Juni 1986 in Toluca
Flag of Paraguay 1954.png Paraguay Flag of Iraq (1963-1991).svg Irak 1:0 (1:0)
7. Juni 1986 in Mexiko-Stadt
Flag of Mexico.svg Mexiko Flag of Paraguay 1954.png Paraguay 1:1 (1:0)
8. Juni 1986 in Toluca
Flag of Iraq (1963-1991).svg Irak Flag of Belgium.svg Belgien 1:2 (0:2)
11. Juni 1986 in Mexiko-Stadt
Flag of Iraq (1963-1991).svg Irak Flag of Mexico.svg Mexiko 0:1 (0:0)
11. Juni 1986 in Toluca
Flag of Paraguay 1954.png Paraguay Flag of Belgium.svg Belgien 2:2 (0:1)

In Gruppe B konnten die Mexikaner zur Freude ihres Publikums den Gruppensieg erzielen, ohne dabei allerdings spielerisch zu überzeugen. Ein unentschieden gegen Paraguay und ein knappes 1.0 gegen den Irak sprachen nicht unbedingt von einer hohen Überlegenheit. Paraguay und Belgien punkteten jeweils gegen den doch überraschend starken Irak und trennten sich im letzten Spiel mit 2:2 unentschieden, dieses war ein packender Kampf und eines der besten Spiele der Vorrunde. Beide Teams kamen ins Achtelfinale, hätten dieses aber auch jeweils mit einer knappen Niederlage geschafft.

Gruppe C

Rang Land Tore Punkte
1 Flag of the Soviet Union.svg Sowjetunion 9:1 5:1
2 Flag of France.svg Frankreich 5:1 5:1
3 Flag of Hungary (1957-1989).png Ungarn 2:9 2:4
4 Flag of Canada.svg Kanada 0:5 0:6
1. Juni 1986 in Leon
Flag of Canada.svg Kanada Flag of France.svg Frankreich 0:1 (0:0)
2. Juni 1986 in Irapuato
Flag of the Soviet Union.svg UdSSR Flag of Hungary (1957-1989).png Ungarn 6:0 (3:0)
5. Juni 1986 in Leon
Flag of France.svg Frankreich Flag of the Soviet Union.svg UdSSR 1:1 (0:0)
6. Juni 1986 in Irapuato
Flag of Hungary (1957-1989).png Ungarn Flag of Canada.svg Kanada 2:0 (1:0)
9. Juni 1986 in Leon
Flag of France.svg Frankreich Flag of Hungary (1957-1989).png Ungarn 3:0 (1:0)
9. Juni 1986 in Irapuato
Flag of the Soviet Union.svg UdSSR Flag of Canada.svg Kanada 2:0 (0:0)

In Gruppe C galt der amtierende Europameister Frankreich um seinen Star Michel Platini als Favorit, kam aber mit einem knappen 1:0-Sieg gegen Kanada, kurz vor dem Ende erzielt, mühsam in Fahrt. Die UdSSR zeigte beim Auftaktsieg mit 6:0 über Ungarn einen in der mexikanischen Höhe und Hitze nicht für möglich gehaltenen Hochgeschwindigkeitsfußball. Frankreich und die UdSSR trennten sich dann unentschieden und erzielten am Ende noch einmal klare Erfolge gegen Kanada und Ungarn, sodass die letztegenannten auf der Strecke blieben und die UdSSR dank ihres guten Torverhältnisses die Gruppe vor den Franzosen gewannen.

Gruppe D

Rang Land Tore Punkte
1 Flag of Brazil (1968-1992).svg Brasilien 5:0 6:0
2 Flag of Spain.svg Spanien 5:2 4:2
3 Ulster banner.svg Nordirland 2:6 1:5
4 Flag of Algeria.svg Algerien 1:5 1:5
Die Brasilianer mit Elzo (gelbes Trikot) gewannen ihr Auftaktspiel gegen Spanien
1. Juni 1986 in Guadalajara
Flag of Spain.svg Spanien Flag of Brazil (1968-1992).svg Brasilien 0:1 (0:0)
3. Juni 1986 in Guadalajara (Tres de Marzo)
Flag of Algeria.svg Algerien Ulster banner.svg Nordirland 1:1 (0:1)
6. Juni 1986 in Guadalajara
Flag of Brazil (1968-1992).svg Brasilien Flag of Algeria.svg Algerien 1:0 (0:0)
7. Juni 1986 in Guadalajara (Tres de Marzo)
Ulster banner.svg Nordirland Flag of Spain.svg Spanien 1:2 (0:2)
12. Juni 1986 in Guadalajara
Ulster banner.svg Nordirland Flag of Brazil (1968-1992).svg Brasilien 0:3 (0:2)
12. Juni 1986 in Monterrey (Tecnológico)
Flag of Algeria.svg Algerien Flag of Spain.svg Spanien 0:3 (0:1)

Torwart Pat Jennings, Nordirland, war gegen Brasilien 41 Jahre alt, was einen Rekord darstellt.

In Gruppe D setzte sich Brasilien mit Fußball im Schongang und drei Siegen durch. Dabei profitierten sie aber u. a. gegen Spanien davon, dass den Iberern ein klarer Treffer nicht anerkannt wurde. Das entscheidende Duell um Platz 2 war eine Neuauflage von 1982, und die Spanier revanchierten sich bei Nordirland für die Niederlage und gewannen 2:1. Zusammen mit den Nordiren war eine weitere Überraschungsmannschaft von 1982 in dieser Gruppe vertreten - Algerien. Beide aber enttäuschten und mussten jeweils mit zwei Niederlagen und einem Unentschieden gegeneinander bereits nach der Gruppenphase heimfahren.

Gruppe E

Rang Land Tore Punkte
1 Flag of Denmark.svg Dänemark 9:1 6:0
2 Flag of Germany.svg Deutschland 3:4 3:3
3 Flag of Uruguay.svg Uruguay 2:7 2:4
4 Flag of Scotland.svg Schottland 1:3 1:5
4. Juni 1986 in Queretaro
Flag of Uruguay.svg Uruguay Flag of Germany.svg Deutschland 1:1 (1:0)
4. Juni 1986 in Nezahualcoyotl
Flag of Scotland.svg Schottland Flag of Denmark.svg Dänemark 0:1 (0:0)
8. Juni 1986 in Queretaro
Flag of Germany.svg Deutschland Flag of Scotland.svg Schottland 2:1 (1:1)
8. Juni 1986 in Nezahualcoyotl
Flag of Denmark.svg Dänemark Flag of Uruguay.svg Uruguay 6:1 (2:1)
13. Juni 1986 in Queretaro
Flag of Denmark.svg Dänemark Flag of Germany.svg Deutschland 2:0 (1:0)
13. Juni 1986 in Nezahualcoyotl
Flag of Scotland.svg Schottland Flag of Uruguay.svg Uruguay 0:0

Schiedsrichter Joël Quiniou sorgte für einen Rekord, als er José Batista aus Uruguay im Spiel gegen Schottland nach 56 Sekunden die Rote Karte zeigte.

In Gruppe E spielte die deutsche Elf in der sogenannten „Todesgruppe“, wie sie in Mexiko genannt wurde, da hier neben Exweltmeister Uruguay, welcher als Geheimtip galt, und Schottland nämlich aus dem Lostopf der „Zwerge“ Dänemark vertreten war, welches bei letzten Europameisterschaft zwei Jahre zuvor groß auftrumpfte und erst im Halbfinale im Elfmeterschießen an Spanien scheiterte. Dänemark gewann alle Spiele in dieser Gruppe und holte sich den Sieg. Die Deutschen erzielten zum Auftakt ein mehr als verdientes 1:1 gegen Uruguay, wonach ein umkämpftes 2:1 gegen Schottland folgte. Das bedeutete Platz zwei und möglicherweise den im Achtelfinale etwas leichteren Gegner. Platz 3 sicherte sich Uruguay, welches gegen die Schotten nach einem Platzverweis in der 1. Spielminute mit 10 Mann ein 0:0 hielt. Die Schotten blieben also ihrer Serie treu und scheiterten erneut in der Gruppenphase.

Gruppe F

Rang Land Tore Punkte
1 Flag of Morocco.svg Marokko 3:1 4:2
2 Flag of England.svg England 3:1 3:3
3 Flag of Poland.svg Polen 1:3 3:3
4 Flag of Portugal.svg Portugal 2:4 2:4
2. Juni 1986 in Monterrey (Universitario)
Flag of Morocco.svg Marokko Flag of Poland.svg Polen 0:0
3. Juni 1986 in Monterrey (Tecnológico)
Flag of Portugal.svg Portugal Flag of England.svg England 1:0 (0:0)
6. Juni 1986 in Monterrey (Tecnológico)
Flag of England.svg England Flag of Morocco.svg Marokko 0:0
7. Juni 1986 in Monterrey (Universitario)
Flag of Poland.svg Polen Flag of Portugal.svg Portugal 1:0 (0:0)
11. Juni 1986 in Guadalajara
Flag of Portugal.svg Portugal Flag of Morocco.svg Marokko 1:3 (0:2)
11. Juni 1986 in Monterrey (Tecnológico)
Flag of England.svg England Flag of Poland.svg Polen 3:0 (3:0)

In Gruppe F gab es die wohl spannendste und ausgeglichenste Gruppe. Vor dem letzten Spiel konnte noch jeder ausscheiden und weiterkommen. Die Überraschungsmannschaft aus Marokko sicherte sich letztlich den Gruppensieg nach zwei 0:0-Spielen durch einen klaren Sieg über Portugal. Marokko ist die erste afrikanische Mannschaft, die die Vorrunde überstand. Schwer in Fahrt kamen die Engländer, die nach einer Niederlage und einem Unentschieden erst im Spiel gegen Polen ins gegnerische Tor tafen. Dies gelang Gary Lineker aber gleich dreimal, und es reichte für Platz 2 vor den alles in allem doch enttäuschenden Polen, die zuletzt noch im Halbfinale der WM gestanden hatten.

Achtelfinale

Italien – Frankreich
Marokko – Deutschland
England – Paraguay
Dänemark – Spanien
Viertelfinale Deutschland gegen Mexiko
15. Juni 1986 Mexiko-Stadt Flag of Mexico.svg Mexiko Flag of Bulgaria 1971-1990.png Bulgarien 2:0 (1:0)
15. Juni 1986 Leon Flag of the Soviet Union.svg Sowjetunion Flag of Belgium.svg Belgien 3:4 n.V. (2:2, 1:0)
16. Juni 1986 Guadalajara Flag of Brazil (1968-1992).svg Brasilien Flag of Poland.svg Polen 4:0 (1:0)
16. Juni 1986 Puebla Flag of Argentina.svg Argentinien Flag of Uruguay.svg Uruguay 1:0 (1:0)
17. Juni 1986 Mexiko-Stadt (Olympiastadion) Flag of Italy.svg Italien Flag of France.svg Frankreich 0:2 (0:1)
17. Juni 1986 Monterrey (Universitario) Flag of Morocco.svg Marokko Flag of Germany.svg Deutschland 0:1 (0:0)
18. Juni 1986 Mexiko-Stadt Flag of England.svg England Flag of Paraguay 1954.png Paraguay 3:0 (1:0)
18. Juni 1986 Queretaro Flag of Denmark.svg Dänemark Flag of Spain.svg Spanien 1:5 (1:1)

Im Achtelfinale gab es Überraschungen und erwartungsgemäße Ergebnisse. Mexiko schlug Bulgarien problemlos mit 2:0 und zog zum zweiten Mal nach 1970 ins Viertelfinale der WM ein.

Eine Riesenüberraschung war das Ausscheiden der Sowjetunion um ihren Superstar Belanov, die gegen starke Belgier nach Verlängerung in einem Spiel mit Klasse und Dramatik ausschieden.

Der Dritte der WM 1982, Polen, war gegen Brasilien absolut chancenlos und schied mit 0:4 und einer ordentlichen Klatsche aus. Während bei den Polen vor allem bei der letzten WM der Angriff gefiel, so schossen sie in 4 Spielen nur ein kümmerliches Tor und kassierten 7.

Argentinien und Uruguay lieferten sich einen echten Kampf im großen Duell, letztlich gewannen die Argentinier verdient mit 1:0.

Auch nicht unbedingt erwartungsgemäß mussten die Italiener die Heimreise antreten, da sie gegen Frankreich auf ganzer Linie enttäuschten und einen rabenschwarzen Tag erwischten und schließlich mit einer 0:2-Pleite im Gepäck nach Hause fuhren. Damit war mit dem Titelverteidiger ein weiterer Favorit ausgeschieden wie schon zuvor die Sowjetunion.

Deutschland setzte sich ohne Glanz und mit viel Glück gegen die spielfreudigen Marokkaner durch. Den entscheidenden Treffer erzielte Lothar Matthäus per Freistoß quasi mit dem Abpfiff.

England schlug Paraguay klar mit 3:0, auch wenn das Ergebnis in dieser Höhe sicherlich etwas über das Kräfteverhältnis hinwegtäuscht. Mit seinen Treffern Nr. 4 und 5 setzte sich Gary Lineker jedenfalls an die Spitze der Torschützenliste.

Im Spiel Spanien gegen Dänemark hatte man eine spannende Partie erwartet, da die Dänen eine komplizierte Gruppe deutlich gewannen und sogar Deutschland 2:0 schlugen, doch die Spanier zauberten Traumfußball und ließen den Dänen keine Chance und schossen in der zweiten Halbzeit 4 Tore.

Viertelfinale

21. Juni 1986 Guadalajara Flag of Brazil (1968-1992).svg Brasilien Flag of France.svg Frankreich 1:1 n.V. (1:1, 1:1), 3:4 i.E.
21. Juni 1986 Monterrey (Universitario) Flag of Germany.svg Deutschland Flag of Mexico.svg Mexiko 0:0 n.V., 4:1 i.E.
22. Juni 1986 Mexiko-Stadt Flag of Argentina.svg Argentinien Flag of England.svg England 2:1 (0:0)
22. Juni 1986 Puebla Flag of Spain.svg Spanien Flag of Belgium.svg Belgien 1:1 n.V. (1:1, 0:1), 4:5 i.E.

Die Viertelfinalspiele waren an Dramatik kaum zu überbieten.

Das Spiel Frankreich gegen Brasilien gilt noch heute als Jahrhundertspiel. Zwei der besten Mittelfeldreihen der 1980er Jahre zelebrierten Angriffsfußball mit vielen Chancen auf beiden Seiten. Brasilien, das in Führung gegangen war, verpasste es, bereits zur Halbzeit alles klargemacht zu haben und kassierten kurz vor der Pause sogar ihr erstes Gegentor im Turnier. In der zweiten Hälfte erzielten die Franzosen ein offenes Feldspiel, aber ein Tor wollte - auch in der Verlängerung - keinem mehr gelingen. Das Spiel endete nach Elfmeterschießen mit dem glücklicheren Ende für die Franzosen.

Im zweiten Viertelfinale musste sich Deutschland in Monterrey mit dem Gastgeber Mexiko auseinandersetzen. Dieses Match war wesentlich härter und mehr von Taktik bestimmt als das vorangegangene Parallelspiel. Torchancen waren Mangelware, dafür gab es zwei Platzverweise, einen für jedes Team. In der Verlängerung schienen die Deutschen mehr Kräfte zu haben, aber ein Tor wollte auch ihnen nicht mehr gelingen. Im Elfmeterschießen setzten sich die DFB-Kicker dann souverän durch, Torwart Schumacher konnte zwei schwach geschossene Elfmeter der Mexikaner parieren.

Im Spiel Argentinien-England erzielte Diego Maradona ein Tor mit der Hand, indem er den Ball über den vor ihm stehenden englischen Torwart faustete. Der Schiedsrichter gab das Tor. Maradona sprach später von der "Hand Gottes", die das Tor erzielte. Kurz darauf schoss Maradona nach einem Alleingang, bei dem er gleich sieben englische Spieler wie Slalomstangen stehen ließ, das 2:0, welches später bei einer Abstimmung der FIFA zum schönsten Tor der WM-Geschichte gewählt wurde. Beide Tore fielen kurz nach der Pause, danach zogen die Argentinier sich zurück. England gelang 10 Minuten vor dem Abpfiff noch der Anschlusstreffer, zu mehr reichte es nicht mehr.

Das letzte Viertelfinale wurde zwischen Vizeeuropameister Spanien und Belgien ausgetragen. Die Belgier schafften dabei eine weitere Sensation. Spanien konnte einen Rückstand erst kurz vor dem Spielende ausgleichen und eine Verlängerung erzwingen. Die Entscheidung fiel im Elfmeterschießen, wo lediglich ein verschossener Strafstoß der Spanier den Ausschlag gab.

Halbfinale

Spielszene aus dem Halbfinale Frankreich – Deutschland
25. Juni 1986 Guadalajara Flag of France.svg Frankreich Flag of Germany.svg Deutschland 0:2 (0:1)
25. Juni 1986 Mexiko-Stadt Flag of Argentina.svg Argentinien Flag of Belgium.svg Belgien 2:0 (0:0)

Im Halbfinale gab es zunächst die Neuauflage des dramatischen Halbfinales vier Jahre zuvor zwischen Frankreich und der deutschen Elf. Die Franzosen galten nach den Siegen über Titelverteidiger Italien und Topfavorit Brasilien als Favorit, während die Deutschen bis dato mehr schlecht als recht, aber immerhin mit einer handwerklich guten Truppe durchs Turnier kamen. Die Deutschen gingen jedoch durch einen Freistoß von Brehme nach einem schweren Torwartfehler von Bats früh in Führung, und hätten diese zur Halbzeit noch ausbauen können. In der zweiten Hälfte berannten die Franzosen das deutsche Tor, ohne jedoch zu vielen klaren Torchancen zu kommen, außerdem wurden den Franzosen nach dem schweren Brasilien-Match zunehmend die Beine schwer. In der Schlussminute setzte Deutschland einen Konter zum alles in allem verdienten 2:0-Sieg.

Im zweiten Halbfinale war Argentinien der klare Favorit um seine Superstars Valdano, Burruchaga und Maradona gegen Belgien. In der ersten Hälfte standen die Belgier noch sicher und nahmen ein 0:0 mit in die Pause. Doch in der zweiten Hälfte machte sich der bisherige Kräfteverschleiß der Belgier zunehmend bemerkbar, welche zuvor in der mexikanischen Hitze zweimal in die Verlängerung gehen mussten. Maradona brach den Bann mit seinem Tor zum 1:0 und setzte wenig später zu einem ähnlichen Solo an wie im Viertelfinale gegen England. Dieses Traumtor zum 2:0 brachte die Entscheidung.

Spiel um Platz 3

28. Juni 1986 Puebla Flag of Belgium.svg Belgien Flag of France.svg Frankreich 2:4 n.V. (2:2, 1:2)

Tore:

  • 1:0 Ceulemans (11.Min.)
  • 1:1 Ferreri (27.Min.)
  • 1:2 Papin (43.Min.)
  • 2:2 Claesen (72.Min.)
  • 2:3 Genghini (104.Min.)
  • 2:4 Amoros (109.Min./FE)

Im kleinen Finale kämpften beide Mannschaften noch einmal leidenschaftlich um den Sieg, obschon gerade die Franzosen vielen Reservisten eine Chance gaben. So trat z.B. Superstar Michel Platini nicht mehr an. Die Belgier erreichten ein 2:2 und mussten im vierten Spiel in Folge ihre dritte Verlängerung spielen. Das konnte kaum gutgehen, und mit zwei weiteren Toren, darunter ein Elfmeter, kamen die Franzosen zum Erfolg.

Finale

29. Juni 1986 Mexiko-Stadt Flag of Argentina.svg Argentinien Flag of Germany.svg Deutschland 3:2 (1:0)

Tore:

  • 1:0 Brown (23. Min.)
  • 2:0 Valdano (56. Min.)
  • 2:1 Rummenigge (74. Min.)
  • 2:2 Völler (82. Min.)
  • 3:2 Burruchaga (85. Min.)


Zuschauer: 117.000

Aufstellungen:

Schiedsrichter: Arppi Filho (Brasilien)

Das Finale ging als eines der denkwürdigsten - wenn auch nicht hochklassigsten - in die Fußballgeschichte ein. Argentinien war klarer Favorit und hatte sicherlich auch etwas mehr vom Spiel, die ganz großen Torchancen blieben aber auf beiden Seiten aus, was sicherlich auch daran lag, dass Lothar Matthäus seinen Gegenspieler Diego Maradona überwiegend im Griff hatte. Die Argentinier gingen Mitte der ersten Hälfte durch einen Freistoß in Führung, nachdem der deutsche Torwart Schumacher - bis dahin der Garant für den deutschen Finaleinzug - den in den Strafraum geflankten Ball schlicht unterlief, sodass Libero Brown ins leere Tor köpfen konnte. Das 2:0 nach knapp einer Stunde schien die Entscheidung zu bedeuten, aber wie schon gegen England zogen sich die Argentinier jetzt vollständig zurück. Deutschland hatte nun mehr Spielanteile, ohne allerdings große Chancen herausspielen zu können. Nur bei Standards wurde es gefährlich, zwei Ecken, getreten von Andreas Brehme von links, führten zu Toren und dem nicht mehr für möglich gehaltenen Ausgleich acht Minuten vor dem Ende. In ihrer Euphorie entblößten die deutschen Spieler jedoch ihre Abwehr komplett, um die Entscheidung noch vor der Verlängerung zu erzielen, und liefen knapp drei Minuten nach dem Ausgleich in einen Konter der Argentinier - Pass Maradona, Solo von Burruchaga - und es hieß 3:2 für die Südamerikaner.

Weltmeister Argentinien und der Turnierverlauf

Argentinien wurde mit seinem Superstar Diego Armando Maradona, der zum besten Spieler des Turniers gewählt wurde und im Spiel gegen England das "Tor des Jahrhunderts" erzielte, zum zweiten Male nach 1978 Weltmeister. Der Erfolg der Argentinier war verdient, auch wenn sie im Finale von einem groben Taktikfehler der deutschen Mannschaft profitierten. Man darf auch nicht vergessenen, dass die Argentinier einen relativ günstigen Spielplan hatten. So spielten sie im Achtel- und Viertelfinale gegen die nicht schwer auszurechnenden Teams aus Uruguay und England, welche bis dahin auch mehr Schatten als Licht gesehen hatten und im Halbfinale gegen die von zwei Verlängerungen nicht ausreichend regenerierten Belgier, während sich in der anderen Hälfte die Brasilien und Frankreich, dazu auch Italien als Titelverteidiger und die deutsche Elf gegenseitig aus dem Turnier werfen mussten. Unbestreitbar wäre ein Viertelfinale der Argentinier gegen Frankreich oder Brasilien äußerst interessant geworden. Außerdem hatten die Argentinier kaum Reisestrapazen. Alle ihre Spiele fanden in Mexiko-Stadt oder im nahegelegenen Puebla statt, während die deutsche Elf bis zum Finale zwischen Queretaro, Monterrey und Guadalajara herumreisen musste und im Finale mit Mexiko-Stadt bereits ihren vierten Spielort hatte. Die Argentinier hatten sich bereits an die Höhenlage der Hauptstadt gewöhnen können, und auch schon zweimal das Aztekenstadion kennengelernt. Dennoch erwiesen sich all diese Dinge letztlich nicht als entscheidend - Deutschland verlor das Finale durch einen Stellungsfehler kurz vor Schluss. Insgesamt war Argentinien mit dem unbestreitbar besten Spieler des Turniers ein würdiger Weltmeister.

Statistik

Beste Torschützen

Name Land Tore
Gary Lineker England 6
Emilio Butragueño Spanien 5
Careca Brasilien 5
Diego Maradona Argentinien 5
Alessandro Altobelli Italien 4
Igor Belanow Sowjetunion 4
Preben Elkjær Larsen Dänemark 4
Jorge Valdano Argentinien 4

Siehe auch

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ar:بطولة كأس العالم لكرة القدم 1986 be:ЧС па футболе (1986) bg:Световно първенство по футбол 1986 bs:Svjetsko prvenstvo u nogometu - Meksiko 1986. ca:Copa del Món de Futbol de 1986 cs:Mistrovství světa ve fotbale 1986 da:VM i fodbold 1986 el:Παγκόσμιο Κύπελλο Ποδοσφαίρου 1986 en:1986 FIFA World Cup eo:Futbala Mondpokalo 1986 es:Copa Mundial de Fútbol de 1986 et:1986. aasta jalgpalli maailmameistrivõistlused fi:Jalkapallon maailmanmestaruuskilpailut 1986 fr:Coupe du monde de football de 1986 he:מונדיאל 1986 hr:Svjetsko prvenstvo u nogometu - Meksiko 1986. hu:1986-os labdarúgó-világbajnokság id:Piala Dunia FIFA 1986 it:Campionato mondiale di calcio 1986 ja:1986 FIFAワールドカップ ko:1986년 FIFA 월드컵 lt:XIII pasaulio futbolo čempionatas lv:FIFA Pasaules kauss 1986 mk:1986 ФИФА Светско Првенство ml:ഫുട്ബോള്‍ ലോകകപ്പ് 1986 mr:१९८६ फिफा विश्वचषक ms:Piala Dunia FIFA 1986 nl:Wereldkampioenschap voetbal 1986 no:VM i fotball 1986 pl:Mistrzostwa Świata w Piłce Nożnej 1986 pt:Copa do Mundo FIFA de 1986 ro:Campionatul Mondial de Fotbal 1986 ru:Чемпионат мира по футболу 1986 simple:1986 FIFA World Cup sr:Светско првенство у фудбалу 1986. sv:Världsmästerskapet i fotboll 1986 tr:1986 FIFA Dünya Kupası uk:Чемпіонат світу з футболу 1986 vi:Giải vô địch bóng đá thế giới 1986 zh:1986年世界盃足球賽



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