Spielbericht 94/95, 4.Spieltag: SV Waldhof - FSV Mainz 05

Aus WikiWaldhof
Wechseln zu: Navigation, Suche


SV Waldhof Mannheim 07 4:0 (2:0) 1. FSV Mainz 05
SV Waldhof Mannheim.png 4.Spieltag
Samstag, 3. September 1994, 15.30 Uhr MESZ, Carl-Benz-Stadion

Endstand 4:0

Zuschauer: 11.000
Schiedsrichter: P.Müller (Dresden)

FSV Mainz 05 Logo.png
Startelf:

Laukkanen - Schnalke, Nachtweih, Köpper - Lieberknecht, Zeyer, Reichel, Hayer, Hofmann - Järvinen, Kirsten - Trainer: Uli Stielike

Einwechslungen:

64. Hecker für Hofmann
83. Petrenko für Hayer


Startelf:

Petz - M.Müller - Greilich, Schäfer - Arndt - Neustädter, Schukow, Akrapovic, Hock - Ziemer, Brinkmann - Trainer: Josip Kuze

Einwechslungen:

46. Klopp für Schäfer
76. Glesius für Brinkmann

Tor 1:0 Kirsten (23.)
Tor 2:0 Kirsten (45.)
Tor 3:0 Zeyer (87.)
Tor 4:0 Kirsten (90.)

Yellow card.png Lieberknecht, Hayer

Yellow card.png M.Müller, Schukow, Brinkmann, Akrapovic

Bericht:


SV Waldhof auf dem richtigen Weg / 11.000 sahen Spielwitz und vier Tore

Auch die Moral intakt / Kirsten beim Triumph gegen Mainz dreimal erfolgreich

Von unserem Redaktionsmitglied Werner Trill

Das größte Lob kam vom Gegner: „Mannheim hat mich begeistert, spielerisch und läuferisch sehr stark!" Der Mainzer Trainer Josip Kuze mochte nicht mal an der Höhe des Waldhofsieges deuteln, nannte das 4:0 (2:0) sogar ausdrücklich „verdient". In der Tat: Das Ergebnis ist Ausdruck einer starken spielerischen Leistung des SVW und wenn es Einschränkungen zu machen gilt, dann nur, daß das in der 1. Halbzeit gezeigte Niveau einer Zweitliga-Spitzenpartie von den Mannheimern (noch) nicht über die gesamte Spielzeit beibehalten werden konnte. Kuzes Waldhöfer Kollege Uli Stielike, ein Mann bekanntlich der strengen Maßstäbe, kreidete denn auch seinem Team an, mit einem beruhigenden 2:0-Vorsprung im Rücken nach der Pause zunächst nicht nachgesetzt zu haben, sondern „in ein Loch gefallen*' zu sein. Aber da sollte er mal etwas Nachsicht üben: Zu Beginn einer Runde kann, wer ein extrem hohes Tempo geht und soviel Kraft für zwingende Spielzuge investiert, schon mal an Konzentration verlieren und damit dem Gegner Raum geben. Am Ende blieb das ohne Folgen, weil Kari Laukkanen in einer kritischen Phase mit einer Reflexparade gegen Ziemers Kopfball das Leder gerade noch von der Linie boxte, und weil in den Schlußminuten nach mehreren schwach abgeschlossenen Kontern Zeyer (88.) und Kirsten (90.) jeweils nach glänzender Vorarbeit Petrenko s doch noch trafen.

Fazit: Angesichts der schweren Spiele in Nürnberg und St. Pauli mit 6:2 Punkten und 8:1 Toren (!) eine Waldhof-Zwischenbilanz ohne Fehl und Tadel, was nicht nur Präsidiumsmitglied Walter Spagerer aufs Konto Uli Stielikes schreibt: „Heute wurde besonders deutlich, was er spieltechnisch und taktisch im Training erarbeitet". Und Sam Sebert, ehedem bekanntlich in Uli Stielikes Position, war einer der 11 000, die vor dem Team den Hut zogen: „Im Ergebnis vielleicht ein Tor zu hoch, aber ganz hervorragend, was vor allem in der 1. Halbzeit ablief."

In einer auch von den Mainzern erfreulich offensiv geführten Partie machte der FSV Eindruck, als er bereits nach 18 Sekunden den ersten Eckball herausholte und in der 3. Minute durch Brinkmann einen Lattenkitzler verzeichnete. Aber in der Folge waren die Blauschwarzen eindeutig Herr im Hause. Uli Stielikes Gardinenpredigt nach der Hamburger Vorstellung hatte das Team nicht, wie befürchtet, weiter verunsichert, sondern Ehrgeiz entfacht, was in großem Laufpensum, gutem Zweikampfverhalten, energischem Nach- setzen, dazu aber in sehenswerten Spielzügen zum Ausdruck kam. Positiv vor allem zu vermerken: Das variable Flügelspiel dank Lieberknecht und Hofmann, wobei der Ex-Lauterer bei Schnalkes Vorstößen klug nach hinten absicherte. Dazu das Verständnis der einmal mehr das Geschehen bestimmenden Mittelachse Zeyer / Hayer, vorn dus wirkungsvolle Rochieren Järvinens, der großen Anteil daran hatte, daß Kuzes Taktik einer „engen Abwehrformation" nicht aufging. Und dann war da noch Kirsten, der den Mainzern den dicksten Strich durch die Rechnung machte, weil er sich ein ums andere Mal der direkten Bewachung durch Schäfer entzog. Überlegt setzte er nach Hofmanns Paß die Kugel zum 1:0 ins Netz (23.), volley nahm er den Ball unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff nach Vorarbeit Järvinens und Zeyers - 2:0. Die Ernte war eingefahren, oder ?

Kurz nach Wiederanpfiff noch ein meisterlicher Spielzug über Köpper, Hofmann, Hayer, mit drei Stationen also aus der eigenen Hälfte in Schußposition, das ließ einen nochmals mit der Zunge schnalzen. Danach freilich ging lange nicht mehr viel zusammen, leistete sich, was Uli Stielike namentlich bemängelte, selbst Routinier Nachtweih Fehlpässe, versagte Schnalke bei einem Konter in erfolgversprechender Überzahl. Wenn da den Mainzern das Anschlußtor gelungen wäre ...

Wenn! Es gelang nicht, die Waldhöfer brauchten sogar nicht mal einen Elfmeter (der bei einer Attacke auf Zeyer am Platz gewesen wäre), um den Sack endgültig zuzumachen. Der Sieg am Ende auch ein Lohn für gute Moral, die Stielike hoffen läßt, den Weg nach oben nun auch in Zwickau fortzusetzen. Daß er in seinem Statement auf die dazwischen liegende Pokalaufgabe beim Karlsruher SC überhaupt nicht einging, macht deutlich, worum es in dieser Phase vorrangig geht: Sich in der Spitzengruppe zu etablieren. Das Zeug dazu, in allen Belangen, scheint seine Truppe zu haben...


Quelle: Mannheimer Morgen v. 05.09.1994



Hier könnte Ihre Werbung stehen

in allen mehr als 20.000 Artikeln