Turnierform

Aus WikiWaldhof
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Turnierform (auch Turnierformat) beschreibt den Aufbau eines Turniers, dessen Ziel es ist, den besten Spieler, Sportler, das beste Team etc. zu ermitteln.

Anforderungen an eine Turnierform

Unabhängig vom Turnierformat sollen Turniere unter einem sportlichen Aspekt spannend, für alle Teilnehmer gleichermaßen fair und für den Beobachter leicht verständlich sein. Daneben sollen sich im Turnierausgang auch die Leistungen der Turnierteilnehmer niederschlagen.

Die Messung einer sportlichen Leistung ist – je nach Sportart – unterschiedlich schwer. In Laufdisziplinen ist der Leistungsvergleich vergleichsweise einfach, da die Tatsache, dass alle Turnierteilnehmer zugleich gegeneinander antreten, einen direkten Leistungsvergleich zulässt. Eine objektive Leistungsmessung, d. h. Zeitnehmung ist prinzipiell nicht einmal notwendig.

Die Möglichkeit, alle Teilnehmer gegeneinander antreten zu lassen, ist jedoch vielfach nicht gegeben. Auch kann die Leistung oft nicht objektiv gemessen werden, sondern nur relativ zu einem Gegner (Fußball, Tennis, Schach, Bridge, usw.). Dadurch kann der „beste“ Turnierteilnehmer in diesen Sportarten nur durch ein Turnier bestehend aus mehreren Vergleichskämpfen ermittelt werden.

Wünschenswerte Eigenschaften eines Turnierformats sind daher:

  • Der beste Spieler soll gewinnen; d. h. wenn in jeder einzelnen Begegnung der jeweilige Favorit gewinnt, dann soll der Top-Favorit den Turniersieg davontragen.
  • Der zweitbeste Spieler soll den zweiten Platz erreichen.
  • Der drittbeste Spieler soll den dritten Platz erreichen, usw.
  • Die Anzahl der Spiele bzw. Spielrunden soll – aus organisatorischen Gründen – möglichst klein sein.
  • Die Entscheidung über den Turniersieg soll – zur Erhöhung der Spannung – erst am Ende des Turniers in einem Finale der beiden besten Spieler fallen.
  • Es sollen keine Möglichkeiten zur Kollusion existieren. D.h. kein Spieler soll aus dem Verlust einer Partie für sich einen Vorteil ziehen können. Zwei Spieler sollen durch eine vorherige Vereinbarung des Spielausgangs ihre eigenen Chancen auf den Turniersieg zu Lasten eines dritten nicht verbessern können. Derartige Beispiele finden sich sehr häufig im Fußball; z.B. der berüchtigte Nichtangriffspakt von Gijon, u.v.a.m.

Die folgenden unterschiedlichen Turnierformate erfüllen diese Kriterien jeweils nur zum Teil, weswegen es kein „ideales“ Turnierformat gibt.

K.-o.-System

Hauptartikel: K.-o.-System

Das K.-o.-System (knock out, engl. etwa: „heraus schlagen“ oder „außer Gefecht setzen“), Cup-System oder Single elimination, seltener auch Eliminationsverfahren ist eine Turnierform, bei der in jeder Spielrunde jeweils zwei Teilnehmer aufeinandertreffen. Die Sieger der Erstrundenspiele steigen in die zweite Runde auf, die Verlierer scheiden aus; die Sieger der Zweitrundenspiele steigen in die dritte Runde auf, die Verlierer scheiden wiederum aus, usw., bis zuletzt nur mehr zwei Spieler übrigbleiben, die im Finale um den Turniersieg kämpfen.

Das K.-o.-System funktioniert am besten, wenn die Zahl der Teilnehmer eine Zweierpotenz darstellt, also 2, 4, 8, 16, 32, usw.; ansonsten erhalten einige Spieler in der ersten Runde ein Freilos (Bye). Gleichzeitig ist das K.-o.-System diejenige Turnierform, welche die Anzahl der Spiele und Spielrunden minimiert: bei 4 Teilnehmern benötigt man zwei Runden, bei 8 Teilnehmern drei Runden, bei 16 vier, bei 32 fünf usw.

Diese Turnierform erfüllt die meisten Anforderungen an eine Turnierform. Werden jedoch in der ersten Runde die Paarungen gelost, so kann es geschehen, dass bereits in der ersten Runde der beste Spieler auf den zweitbesten trifft und dabei jemand frühzeitig ausscheidet, der aufgrund des Leistungsvermögens bei anderer Losziehung sehr weit hätte kommen können.

Rundenturnier

Hauptartikel: Rundenturnier

Als Rundenturnier (auch Jeder gegen jeden, engl. Round Robin oder Liga-System) wird eine Turnierform bezeichnet, bei der jeder Turnierteilnehmer gleich oft gegen alle anderen Turnierteilnehmer antritt.

Dieses System wird in den meisten Fußball-Ligen angewandt, wo anhand eines festen Spielplans jede Mannschaft gegen jede andere Mannschaft einmal zuhause und einmal auswärts spielt (exakte Bezeichnung: Double Round Robin, da jede Mannschaft jede andere zwei Mal trifft).

Abwandlungen

In vielen Fällen wird eine Kombination aus K.-o.-System und Rundenturnier verwendet. Zumeist wird der erste Abschnitt des Turniers als Rundenturnier, ein weiterer als K.-o.-Turnier durchgeführt.

Beispiele hierfür sind die Fußball-Weltmeisterschaft, Fußball-Europameisterschaft und die meisten europäischen Fußball-Pokalwettbewerbe. Hier werden die Mannschaften in Gruppen von je vier Mannschaften aufgeteilt. Zwischen den Mannschaften einer Gruppe spielt jeder gegen jeden („Vorrundenspiele“). Die Gruppenersten und Gruppenzweiten spielen dann im K.-o.-System gegeneinander („Ausscheidungsspiele“).

Dieses Mischsystem hat den Vorteil, dass ein zu frühes Ausscheiden guter Mannschaften weitgehend vermieden werden kann, indem die Gruppensieger so spät wie möglich aufeinandertreffen. So spielen in der ersten Ausscheidungsrunde stets Gruppenerste gegen Gruppenzweite.

Durch geeignetes Setzen kann man außerdem erreichen, dass zwei Mannschaften, die in der Vorrunde in derselben Gruppe gegeneinander gespielt haben, frühestens im Finale erneut aufeinander treffen.

Vor Beginn des eigentlichen Turniers finden vielfach Qualifikationsspiele statt, in denen als Modus wiederum entweder das K.-o-System oder das Rundenturnier angewendet werden.

Selbstredend gibt es noch viele weitere Möglichkeiten, diese beiden Turnierformen zu kombinieren; vor allem im nordamerikanischen Vereinssport werden hierzu verschiedene Varianten angewendet (vgl. National Basketball Association, National Hockey League, Major League Baseball, National Football League oder Major League Soccer).

Schweizer System

Hauptartikel: Schweizer System

Das Schweizer System lässt sich am besten als Sonderform des Rundenturniers beschreiben. Die erste Runde wird gesetzt oder gelost; nach jeder Runde wird der Zwischenstand bestimmt, und in den folgenden Runden spielt stets der Führende gegen den Zweitplatzierten, der dritte gegen den vierten usw.

Es wird allerdings ausgeschlossen, dass zwei Spieler zweimal aufeinandertreffen; die Paarungen werden daher vor jeder Runde wie folgt festgelegt:

  • der Führende spielt gegen den bestplatzierten Spieler, gegen den er noch nicht gespielt hat,
  • der Führende unter den verbleibenden Spielern spielt gegen den bestplatzierten Spieler, gegen den er noch nicht gespielt hat, usw.

Liegen also z.B. nach einer Runde dieselben Spieler in Führung, so spielt nun der erste gegen den dritten (falls er gegen diesen noch nicht gespielt hat, daher: Gegen den bestplatzierten Spieler, gegen den er noch nicht gespielt hat), der zweite gegen den vierten usw.

Beim Schweizer System ist ein wiederholtes Aufeinandertreffen der gleichen Teilnehmer ausgeschlossen. Das ähnliche Dänische System unterscheidet sich vom Schweizer System dadurch, dass dieselben Paarungen mehrfach auftreten können: Es spielt also in jeder Runde der erste gegen den zweiten, der dritte gegen den vierten usw.

Eine Sonderform des Schweizer-Systems ist das Mac-Mahon-System, das bei Go-Turnieren häufig angewendet wird, hierbei starten die Spieler nicht mit null Punkten, sondern beginnen das Turnier mit gemäß ihrer Einstufung in Kyu- oder Dan-Grade unterschiedlichen Punktezahlen.

Double knock out

Hauptartikel: Double knock out

Als Double knock out (auch Double-elimination) bezeichnet man eine Turnierform, die in ihren Grundzügen auf dem K.-o.-System beruht, jedoch versucht, dessen Schwächen zu umgehen.

Die wesentlichen Eigenschaften des Double-knock-out-Formates im Gegensatz zum einfachen K.-o.-System (Single knock out oder Single elimination) sind

  • Eine einmalige Niederlage bedingt nicht das Ausscheiden aus dem Turnier.
  • Ein Teilnehmer kann trotz eines einmaligen Verlustes das Turnier gewinnen. Das ist im einfachen K.-o.-System auch dann ausgeschlossen, wenn zusätzliche Spiele abgehalten werden, um eine durchgehende Reihung zu erhalten: Der Verlierer eines Semifinalspieles kann bestenfalls den 3. Platz belegen, der Verlierer eines Viertelfinalspiels bestenfalls den 5. Platz etc.
  • Ein Teilnehmer scheidet erst nach der zweiten Niederlage aus dem Turnier aus.
  • Es ist auch ohne Seeding (Setzen) sichergestellt, dass der zweitbeste Spieler den zweiten Platz belegt.
  • Ein Nachteil dieses Systems ist, dass bei gleicher Teilnehmeranzahl etwa doppelt so viele Runden zu spielen sind wie beim K.-o.-System.

Siehe auch

en:Tournaments ja:トーナメント方式 nl:Toernooi sl:Turnirski razporeditveni sistemi



Hier könnte Ihre Werbung stehen

in allen mehr als 20.000 Artikeln